Emmershäuse Hütte bei Weilburg/Lahn

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Geschichte

 

 Die Emmershäuser Hütte verdankt ihre Existenz der großen Anzahl von Eisengruben in der sog. Lahnmulde. Die im Weiltal südlich von Emmershausen gelegene Hütte wird erstmals 1395 als Waldschmiede erwähnt, zu der spätestens seit dem 16. Jahrhundert eine wasserbetriebene Mühle gehört hatte. 1403 kaufte Henne von Hattstein die Hälfte der Waldschmiede zu Emmershausen von Diel Winter von Büdesheim. Er verpachtete die Hütte 1404 an den Waldschmied Künkel aus Heimstein. Die mächtige Hattsteiner gehörte im 13. und 14. Jahrhundert in dieser Gegend zu den Adelsfamilien, die den Fürsten ernsthafte Probleme bereitete. Die Besitznahme der Eisenhütten zu Emmershausen durch die Hattsteiner veranlasste die Fürsten von Nassau zu Vorsichtsmaßnahmen. In einem Hüttenbrief des Amtes Weilmünster wurde eine Bestimmung aufgenommen, die die Hütten den adeligen Grundherren entzog, indem sie den Verkauf an den Adel verbot.

Im November des Jahres 1588 wurde die Schmiede an die Brüder Peter und Heinrich Sorg verliehen. Beide waren sehr erfahrene Eisenhüttenmänner, die über den Aufbau von Hochöfen oder Gießereiproblemen gerne von anderen Hüttenbesitzern um Beratung gebeten wurden. Nachdem Heinrich Sorg 1590 einen Hochofen errichtet hatte, entwickelte sich die Hütte zusehends. Das Werk erzeugte Eisenöfen, Waffen, alle üblichen Geräte für Haus und Hof. Von den Ofenplatten ist heute noch eine Reihe erhalten. Das Eisenerz kam aus verschiedenen Gruben in der Lahngegend. Holzkohlen lieferten die Köhler im Taunus bis hinein zum Wispertal.

Wie aus der Altweilnauer Kellerrechnung hervorgeht, arbeitete die Hütte bis 1635 gut und kam erst anschließend während des Dreißigjährigen Krieges zum Erliegen und verfiel.

Nach dem Krieg belebte sich die Wirtschaft. Die Eisenhütte und der Hammer zu Emmershausen wurden im Jahre 1661 wieder in Betrieb genommen. 1664 verkaufte Hattstein die Anlage an Graf Walrad von Nassau-Usingen. Graf Walrad baute die Hütte in den Jahren 1661-1704 wieder auf. 1668 ließ er den Hochofen erneuern und ein neues Pochwerk errichten. Ein Platzmeister und der Hüttenverwalter leiteten das Industriewerk. Einen sehr hohen Anteil an der Erzeugung gusseiserner Gebrauchsartikel hatten die Öfen. Auch während des gesamten 17. Jahrhunderts behielt die Ofenherstellung ihre Bedeutung. 1681 wurden auf der Emmershäuser Hütte 213 Öfen hergestellt. Die Öfen wogen zwischen 4 und 5 Zentnern, konnten aber auch 8 Zentner erreichen.

Ein Problem der Hütten zu dieser Zeit war die allgemeine Kapitalknappheit nach dem Dreißigjährigen Krieg. Die meisten Hütten waren gezwungen, sich bei Geldverleihern oder beim Eisenhandel Kredite aufnehmen. Häufig mussten sie ihre gesamte Eisenerzeugung zu den vorgeschriebenen Preisen des Handels bis zur vollständigen Tilgung dieser sog. Hüttenschulden auf Jahre hinaus verpfänden. Graf Walrad hatte mit den Frankfurter Eisenhändlern David Vienne und Johan Philipp Günther 1681 Verträge geschlossen, demzufolge er die gesamte Erzeugung von Schmiedeeisen von den gräflichen Hämmern zu Emmershausen sowie an gusseisernen Öfen von den Hochofenhütten zu Emmershausen und Usingen unter Verrechnung auf die vorgestreckten Kapitalien zusicherte.

Im Jahre 1707 wurde Melchior Bäppler aus Lützelinden Platzmeister auf der Hütte. Die Bäpplers waren während des gesamten 18. Jahrhundert die wichtigsten Verantwortlichen auf der Emmershäuser Hütte. Die napoleonischen Kriege führten oft zu einer Einstellung des Betriebes auf Jahre hinaus. Französische Söldner plünderten oft die Werke und nahmen alles mit, was ihnen Wert erschien. Die Hütte verfiel.

1807/08 konnte schon wieder ein neuer Hochofen errichtet werden. Die Befreiungskriege 1813/14 hatten den Hütten große Munitionsaufträge gebracht. Von Ende März 1814 an wurde die Hochofenhütte zu Emmershausen drei Monate zum Munitionsguss für die preußische Armee herangezogen. Die Munition musste mit Pferdefuhrwerken an das preußische Munitionsdepot nach Gießen gebracht werden.

Die Nassauische Domänenverwaltung, verpachtete 1818 die Hütte an Kommerzienrat Anselm Lossen. Lossen hatte mehrere Eisenhütten und etliche Erzgruben in Pacht. 1832 bestand das Hüttenwerk, mit Ausnahme des Gusswaren-Magazins und des Wohnhauses, aus einstöckigen, hüttenähnlichen Gebäuden, und zwar: 1 Wirtshaus, 1 Platzmeister-Wohnung, 1 Schreinerei, 1 Schlosserei, 1 Gießerei, 1 Schafkaserne, 1 Stall, 1 Remise nebst Holzstall, 1 Schleiferei, und 1 Schlackenpochwerk. Der Kohleschuppen war nur ein riesiger Regenschirm in Vierkant-Form, aus Tragbalken und Brettern gezimmert. Es waren zwei Teiche angelegt, die als Reservoire dienten, um das Gebläserad zu treiben, wenn der Weilbach nicht genügend Wasser lieferte. Der größere Teich war mit einem 20 Fuß hohen Damm abgetrennt. Der Holkohlen-Hochofen war von geringen Dimensionen, welcher wöchentlich ca. 35 000 Pfund Eisen erzeugte, ca. 5000 Pfund Masseleisen am Feier- und Sonntag (Gusswaren- Produktion in 300 Arbeitstagen ca. 100 000 Pfund), ca. 10 000 Pfund Herdguss, ca. 6000 Pfund Trächter und Ausschuss, wofür immer guter Absatz war. Den Bedarf an Kohlen deckte man durch eigene Köhler und durch Lieferanten.

Die Hütte in Emmershausen übernahm nach Anselm Lossens Tod 1821 sein Sohn Joseph Lossen. Er und seine Nachfahren betrieben die Emmershäuser Hütte bis zur Eingliederung Nassaus ins preußische Staatsgebiet 1866-68.

Nach der Enquete der nassauischen Landesregierung von 1815-1817 gehörte zu dieser Zeit zur Emmershäuser Domanial-Eisenhütte ein Hochofen, ein Weiher zur Wasserspeicherung, zwei Kohlenschuppen, Magazine, eine Stein- und Schlackenpoche, eine Erzwäsche und eine Schleif- und Drehmaschine. Das Domanialwerk bezog seine Kohlen aus den herrschaftlichen Waldungen, den Gemeindewaldungen und den Forsten des Grafen von Bassenheim und Freiherrn von Hohenfeld. Die Belegschaft bestand aus etwa 30 Hütten- und Hammerarbeitern und 25 Köhlern sowie eine große Anzahl von vertraglich gebundenen Fuhrleuten.
Im Jahr verbrauchte die Emmershäuser Hütte 1200 Fuder Eisenstein, 100 Fuder Zuschlagskalkstein und 750 Fuder Kohlen und stellt daraus 12.650 Zentner Roheisen her.

Aus der Erhebung geht auch der Bestand weiterer Immobilien hervor (Wohnhaus für Pächter, Wohnungen für Platz-, Hütten- und Formermeister, Vieh- und Pferdestallungen, Remise, Backhaus, Hochofen und Gusshaus, Magazin, Kohleschuppen, Gebäude für Schleif- und Drehmaschinen etc.) Eine ergänzende Beschreibung ist in den Erinnerungen von F. Ch. H. Lossen enthalten.

Der Holzkohlemangel machte den Hütten sehr zu schaffen und deutete das Ende der traditionellen Eisengewinnung  an. Private Kohlelieferanten machten sich das zunutze. Sie verlangten hohe Preise, aber die Hütten kauften bei ihnen, um überhaupt Kohle zu bekommen. Daher hatte die fürstliche Hüttenverwaltung schon im Jahre 1839 eine Vereinbarung mit den Gebrüder Buderus auf der Audenschmiede und Lossen Söhne auf der Emmershäuser Hütte wegen des Kohlebezugs getroffen. Durch sie wurde der Kohlepreis für alle Beteiligten festgesetzt. Ein Übersteigern beim Holzkauf wurde dadurch unterbunden, dass Buderus und Lossen sich verpflichteten, nur im Nassauischen, die fürstliche Hüttenverwaltung dagegen nur im eigenen Lande Kohlen zu kaufen. Auch wurde beschlossen, schlechte Kohle nur zu einem entsprechend geringeren Preis anzunehmen und sich an bestimmte Lieferer zu halten.

Die Emmershäuser Hütte arbeitete bis 1867, musste aber dann wegen der moderneren Form des Eisenschmelzens mit Koks, der anderenorts viel günstiger produzieren konnte, den Betrieb einstellen. Emmershausen lag zu sehr abseits der Verkehrswege und konnte den Koks, da kein Bahnanschluss bestand, faktisch nicht beziehen.

 

Heutige Situation

Das ehemalige Hüttenareal liegt in einer engen Talsenke, das man über eine alte Steinbrücke über den Weilbach erreicht. Ein halbes Dutzend ein- oder zweistöckiger Gebäude, teils im alten Fachwerk, teils modernisiert, befinden sich in Privatbesitz und werden als Wohnungen oder auch landwirtschaftlich genutzt. Noch vorhanden sind darunter das alte Pächterhaus und ein weiteres Wohngebäude des 18. Jahrhunderts (Fachwerkbauten von zwei Geschossen mit Krüppelwalmdächern), ein Magazin sowie ein weiteres Wohnhaus, das vermutlich nachträglich aus dem Umbau eines Werkgebäudes gewonnen worden war. Auch noch vorhanden ist das sogenannte neue und von der Familie Lossen erbaute Pächterhaus. Von der Hütte im Gelände erhalten haben sich auch die Fundamente von kräftigen Bruchsteinmauern, die das zur Weil hin leicht abfallende Werksgelände abstützen, und Reste der wassertechnischen Anlagen, wie ein Schütz an der Weil, Züge des Wassergrabens und der im Süden am Waldrand liegende Schwiegerweiher, der neben dem Meerpfuhl in Usingen-Merzhausen das wichtigste Wasserreservoir der Hütte darstellte. An den Grundstücken befinden sich eine Reihe von Gussartikeln, die auf der Hütte erzeugt wurden (z.B. gusseiserne Zäune, Roste, ein schmiedeeiserner Briefkasten).