Allgemeine Fakten zur Wirtschafts- und Industriegeschiche Mittelhessens

Mittelhessen
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Gruben Dillmulde
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Standorte_von_Eisenhütten_im_19._Jh.
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Gruben Lahnmulde
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Gruben i.d. Lahnmulde
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Hessen seit 1789
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Lahneinzugsgebiet
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Über Hinweise zur Geschichte der einzelnen Unternehmen/Werke oder ggf. Bilder wäre ich sehr dankbar.
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Zur Wirtschafts- und Industriegeschichte Mittelhessens
Abstract:

Die Wirtschaftsgeschichte in Mittelhessen ist eng verbunden mit den Vorkommen von Eisenerzen an der Dill- und der Lahn. Zahlreiche Eisen- und Buntmetallgruben, Eisenhütten und Hämmer prägten schon das Bild im frühen Mittelalter.

Später entstanden hieraus die Eisen- und Stahlindustriewerke, Gießereien und Betriebe, die andere Metalle verarbeiteten.

Mittelhessen war oder ist noch Standort der optischen Industrie, den Pharmabetrieben, der Tabakindustrie, der Mineralbrunnen (Selters), der Textilindustrie, der Marmorwerke an der Lahn bei Villmar und anderen Stein-, Schiefer-, Kalk und Tonwerken.

Das Lahn-Dill Gebiet in Mittelhessen
Die Lahn und ihr Hauptnebenfluss Dill bilden das industrielle Zentrum Mittelhessens. Der Begriff "Mittelhessen" entstand nach Bildung des Regierungsbezirkes Gießen 1981 aus den Kreisen: Lahn-Dill-Kreis, Landkreis Gießen, Marburg-Biedenkopf, dem Vogelsbergkreis und dem Landkreis Limburg-Weilburg. Wie der Name schon sagt, bilden diese Kreise ein breites Band in der Mitte Hessens, durch das sich die Lahn als Hauptgewässer zieht.  Deshalb ist das Lahn-Dill-Gebiet als geografischer Begriff dem politischen Begriff Mittelhessen etwa gleichzusetzen. Auf der Karte erkennt man eine eher unscheinbare Mittelgebirgsregion. Die größten Städte sind Gießen mit ca. 90 Tausend Einwohner, Marburg mit 80, Wetzlar mit  55, und kleinere Städte, wie Limburg, Weilburg, Dillenburg, Alsfeld, Stadtallendorf, Herborn, Haiger uam. Seit der Zeit gibt es vielfältige Bestrebungen, den politischen Bereich Mittelhessens als regionales Gebiet zu etablieren.

Das Lahn-Dill-Flussgebiet

 

Der Lahn fließen auf Grund der Mittelgebirgslage viele Nebenflüsse und Bäche zu. Die Hütten- und Hammerindustrie ließ sich zur Ausnutzung der Wasserkraft neben den direkten Standorten an der Lahn, an der Dietzhölze nördlich von Dillenburg, der Dill zwischen Haiger und Wetzlar, der Salzböde im Hin-terland, der Eder im Norden, der Weil südöstlich von Weilburg und dem Flüsschen Aar im Hochtaunus nahe Wiesbaden nieder. Weitere Entscheidungsgründe für diese Standorte waren der Waldreichtum und das Vorhandensein von verwertbarem Eisenstein und des Kalkes als wichtiger Zuschlagsstoff für die Eisengewinnung.     

 
Politische Gliederung
Mittelhessen war auch in der Vergangenheit keine politisch gewachsene Einheit. Unterschiedliche Fürsten- und Herzogtümer oder Grafschaften teilten sich die Gebiete an Lahn und Dill, gelegentlich in rascher Folge.
Nach den Rheinbundakten von 1806, also zu Beginn der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts, bestand Mittelhessen zum großen Teil aus dem Herzogtum Nassau mit der Landeshauptstadt Wiesbaden und zeitweise Weilburg, der preußischen Rheinprovinz mit der Landeshauptstadt Koblenz (zu der Wetzlar gehörte), dem Kurfürstentum Hessen (im Wesentlichen Hessen Kassel) mit der Provinz Oberhessen und das aus zwei Gebieten bestehende Großherzogtum Hessen mit der Hauptstadt Darmstadt. Das nördliche Gebiet bezeichnete man als das „Hessische Hinterland“, das nur durch einen ca. 500m breiten Streifen bei Heuchelheim mit dem Raum Gießen verbunden war, umgeben von dem zum preußischen Rheinbund gehörenden Wetzlar (s. Hessen seit 1787 aus einem alten Schulatlas).
Obwohl das von Kleinfürsten- und Herzogtümern durchzogene Land einem Flickenteppich gleicht, verbindet die gesamte Region doch eine Gemeinsamkeit. Es ist durchzogen von Eisenerzlagerstätten, die sich von Dillenburg bis etwa Wetzlar (Dillmulde) und entlang zu beiden Steiten der Lahn (Lahnmulde) erstrecken (s. Karten des Mineralogen Gustav Einecke von ca. 1900). Außerdem kommen, zwar in kleineren Mengen, bis auf Gold alle Metalle vor, deren Ausbeutung schon auf die vorrömische Zeit zurückgeht. Auf dieser wirtschaftlichen Ebene entwickelten sich viele Gemeinsamkeiten, da große Unternehmen, wie z.B. Buderus, fast im ganzen Bereich Gruben oder Eisenwerke hatten.

 

 Die Bergreviere

Seit dem Mittelalter waren wegen der politischen Zerstückelung Mittelhessens wechselnde Grafschaften-, Fürsten- und Herzogtümer oder unterschiedliche Landesherren für die Verleihung der Bergbau-, und Eisenhüttenrechte an Lahn und Dill zuständig. Das Bergregal stand zunächst dem König und ab 1648 den Landesfürsten zu. Seit Wiesbaden 1744 Hauptstadt des Fürstentums Nassau-Usingen und - ab der Rheinbundakte von 1806 - des Herzogtums Nassau geworden war, mussten bei der dortigen Berg- und Hüttenverwaltung Anträge auf Belehnungen gestellt werden. Hütten- und Grubengründer außerhalb Nassaus mussten sich an den jeweils für sie zuständigen Landesherrn wenden, wozu auch zeitweise die Erzbischöfe von Mainz und Trier gehörten. Anträge auf Schürfungen und Mutungen für den Bereich um Biedenkopf erteilte das Bergamt in Thalitter bei Vöhl im Namen der Großherzoglichen Oberbaudirektion in Darmstadt.

Soweit im 19. Jahrhundert das Gebiet zu Preußen gehörte, war Bonn der Oberbergamtsbezirk mit den Bergrevieren Dillenburg, Wetzlar, Weilburg und Dietz sowie dem hessischen Bergrevier Oberhessen.

Die wesentlichen geographischen Merkmale sind das Lahn-Dill-Flussgebiet mit seinen vielen Neben-tälern, deren Bäche aus dem Taunus im Südwesten, dem Westerwald im Nordwesten dem Rothaa-rgebirge im Norden, dem Vogelsberg im Osten und aus dem Gladenbacher Bergland im Zentrum Mittel-hessens der Lahn zufließen. Im Süden öffnet sich Mittelhessen ab Gießen der Wetterau.  

Weite Teile Mittelhessens sind vulkanischem Ursprung. Der Vogelsberg war der größte zusammen-hängende Vulkan Europas. Durch untermeerischen Vulkanismus im Oberdevon entstanden eine Vielzahl von Eisen- und Buntmetalllagerstätten, die den Schwerpunkt der wirtschaftlichen Entwicklung Mittel-hessens bilden. 

 

Der Industriestandort im Lahn-Dill Gebiet

 

Die Gebiete beiderseits von Lahn und Dill haben eine uralte Wirtschafts- bzw. Industriegeschichte, in deren Mittelpunkt die Montanindustrie steht.

Hauptwirtschaftsfaktor ist auf Grund der geologischen Gegebenheiten seit jeher die Eisengewinnung und Eisenverarbeitung die hierauf basierende Eisen- und Stahlindustrie, gefolgt von dem damit verbundenem Maschinenbau. Noch heute gibt es in Mittelhessen dutzende von Eisengießereien, die sich an Lahn, Dill und weiteren Nebenflüssen wie auf einer Perlenkette aufgereiht das Gesicht fast jeder Gemeinde prägen. Die Verarbeitung von Buntmetallen blieb weitgehend auf die Isabellenhütte in Dillenburg beschränkt, die als Kupfer- und Nickelhütte begann und bis heute auf dem Gebiet von Elektrobauteilen, besonders der Widerstandstechnologie, weltführend ist. Die optische Industrie entstand in und um Wetzlar und wurde bald bei der Mikroskopie und dem Kamerabau weltführend. Zu den großindustriellen Betrieben zählt auch von Emil von Behring gegründeten Pharmabetrieben in Marburg. Klein- und mittelständisch geprägte Betriebe waren die Tabakindustrie, vor allem im Gießener Raum (Rinn und Cloos, R&C), die Marmorindustrie bei Villmar an der Lahn, die Dachschiefer- und Tongewinnung, die Diabas- und andere Steinbrüche. Der Basaltsteinbruch am Fuße der Amöneburg zählt zu den größten Steinbrüchen Deutschlands. Die Mineralbrunnen am Rand des Taunus (Selters), und andere Lebensmittelbetriebe, wie Brauereien ergänzen die große Branchenvielfalt Mittelhessens. Auch die Textilindustrie hatte, besonders im Vogelsberg, eine gewisse Bedeutung. Zunehmend gewinnt die Kunststoffindustrie an Bedeutung. Daneben entwickelten viele Tüftler spezielle Produkte, mit denen sie bis heute den Weltmarkt beherrschen, z.B. Pfeiffer-Vacuumpumpen aus Aßlar, Herborner Pumpenindustrie, Oculus in Dutenhofen u.v.a.m.

 

Die Montanindustrie

 

Der Bergbau, das Hüttenwesen und die Metallverarbeitung reichen in Mittelhessen, besonders im Lahn-Dill Gebiet, bis in die vorrömische Eisenzeit zurück. Grundlage dafür waren eine große Anzahl nutzbarer Mineralvorkommen, wie Braunkohle, Blei-, Zink-, Kupfer-, Nickel-, Silbererze, Schwerspat, Tonablagerungen und eine große Ausdehnung des Vorkommens von Eisenerzen. Lagerstätten des Roteisensteins mit Eisenanteilen bis zu 60% finden sich im Bereich von Dillenburg, Wetzlar und Weilburg, des Brauneisensteins von geringerer Güte im Schelderwald bei Dillenburg und bei Wetzlar. Manganerze wurden bei Gießen abgebaut. Die Erzvorkommen liegen in der geologischen Dillmulde in großer Anzahl hauptsächlich entlang des Scheldetals, in der Lahnmulde folgen sie, oft in Clustern, dem Flussverlauf zu beiden Seiten mit einer Häufung zwischen Wetzlar und Limburg.

Vielfach reichten die Erzvorkommen bis an die Erdoberfläche, wo sie von den Waldschmiedebauern aufgesammelt wurden. Holzkohle zum Beheizen der einfachen Schmelzöfen (Rennöfen) wurde in den ausgedehnten Buchenwäldern von Köhlern erzeugt. Die erzielbare Temperatur der Öfen reichte aus, um einen Klumpen zähen Eisens zu gewinnen, der am unteren Ende des Rennofens herausfloss. Daraus konnte durch Schmiedearbeit Eisengegenstände des täglichen Gebrauchs und Waffen hergestellt werden.

​   Mit der Erfindung des Buchdruckes verbreiteten sich Schriften über Erzgewinnung und Eisenerzeugung und über die offene europäische Familienstruktur gab es einen weiteren umfangreichen Informationsaustausch. In der Folge kam es zu vielen neuen technischen Entwicklungen. Bald war das Wasserrad als Antrieb für die Blasebälge und Eisenhämmer erfunden. Die Waldschmiedebauern wanderten in die Bach- und Flusstäler und wurden dort sesshaft. Wasserräder trieben größere Blasebälge an, so dass jetzt flüssiges Roheisen erzeugt werden konnte. Dieses musste jedoch aufwendig vom Kohlenstoff (Frischen) und anderen Verunreinigungen befreit werden, um schmiedbaren Stahl herzustellen. Da jeder Eisenhüttenbauer seine Methode geheim hielt, trug die Eisenerzeugung bis weit in die Neuzeit Züge einer Alchemie. Es entwickelte sich ein Wettstreit zur Erzeugung immer besserer Roheisen- und Stahlprodukte. Die aus der Wallonie eingewanderten Eisenhüttenmänner mit ihrer fortschrittlichen Technik trugen erheblich dazu bei. Als bereits Steinkohle als wirtschaft­licheres Heizmaterial aus dem Ruhrgebiet verwendet wurde, verlangten Käufer oft noch das mit Holz­kohle verhüttete Eisen, da dieses als das bessere galt.

   Die Hauptprodukte der Hüttenbetriebe waren zunächst Ofenplatten, die im Mittelalter biblische Motive zeigten, sich aber später mit dem Zeitgeschmack wandelten. Daneben wurden komplette Öfen, Herde, alle möglichen Artikel von Küchengeschirr bis zum Fußabtreter, Draht und ganze Maschinen hergestellt. Diese Waren wurden entweder durch Hammerschmiede, Gießereien oder durch Drahtziehunternehmen hergestellt. In Kriegszeiten, vielfach schon vor dem 30-jährigen Krieg, waren die meisten Hütten in der Waffenproduktion tätig oder lieferten Teile dafür und die Unternehmen konnten hierdurch ein beträchtliches Vermögen erwirtschaften.

   An Lahn, Dill und den Nebentälern entwickelte sich schon früh ein überregional bedeutender Eisenhandel. Handelsstraßen liefen von hier zu den Städten und Messeplätzen. Im 19. Jahrhundert wurde die Lahn mit großem Aufwand zum Transport von Erzen, Kohle oder Metallprodukten bis Gießen schiffbar gemacht. Später übernahmen Eisenbahnen die Beförderung zu den großen Industriezentren und viele kleine Nebenstrecken schlossen die Lücken zu den Betrieben. Die Autobahn A45 von Dortmund nach Gießen wurde in erster Linie zur Versorgung des Erzbergbaus und der Eisenhüttenindustrie dieser Region erbaut.

   Bereits im Mittelalter wurden im Lahn-Dill-Gebiet aus über 1500 Gruben Erze gefördert und verarbeitet. Schon vor dem 15. Jahrhundert standen mehrere Hochöfen und Schmiedehämmer an der Dietzhölze, der Lahn, der Dill und den ihnen zufließenden Bächen. Um 1860 gab es 22 Hochofen­werke mit 28 Hochöfen. Im Hessischen Hinterland wurden in dieser Zeit 41 Bleierzgruben, eine Braunkohlengrube, 297 Eisensteingruben, 88 Kupfererzgruben, 55 Manganerzgruben, 47 Nickelerzgruben, eine Quecksilbergrube, sechs Silbergruben, 18 Schwefelerzgruben und zwei Zinkgruben betrieben. In der Gladenbacher Münze konnten Silbertaler geprägt werden und die Isabellenhütte in Dillenburg hatte Buntmetalle wissenschaftlich erforscht und daraus Produkte entwickelt, mit denen sie noch heute den Weltmarkt beliefert.

 

   Nach der Umstellung von Holzkohle- auf Koksbetrieb spezialisierten sich die meisten Hütten auf den Gießereibetrieb. Die Roheisenerzeugung mittels Holzkohleverhüttung war auf Grund der hohen Holzkohlepreise nicht mehr wirtschaftlich. Im Ruhrgebiet konnte man an den Stein­kohle­standorten kostengünstiges Roheisen erzeugen und günstige Erze zu Stahl verarbeiten, später sogar in der Nähe von Seehäfen, da hochwertige Erze und Kohle preiswert per Schiff importiert werden konnten.

   Im Lahn-Dill-Revier erlangte vor allem die Ofen- und Herdproduktion große Bedeutung. Im 19. Jahrhundert kamen die meisten aller in Deutschland gekauften Öfen aus Werken dieser Region. Namen wie BUDERUS, JUNO, ORANIER, HAAS & SOHN waren europaweit bekannt, ebenso wie die Kanalgussartikel von PASSAVANT und Buderus, die heute noch weltführend sind. Eine Vielzahl von Unternehmen produzierten rund um die Eisenhütten- und Gießereibetriebe Zusatzprodukte, wie Emaille, oder waren als Zuliefer- und Weiterverarbeitungsbetrieb tätig.

   Politische und wirtschaftliche Verhältnisse und allgemeine Strukturkrisen überschatteten die Montanbranchen des Lahn-Dill-Reviers im 19. und 20. Jahrhundert. Einige Hütten wurden wegen ihrer verkehrsungünstigen Lage aufge­geben, andere überstanden die Krisen durch Spezialisierung auf neue Techniken und Märkte. Viele agieren heute mit Spezialprodukten auf dem Weltmarkt. 

   Die Buntmetallvorkommen waren auch noch im 20. Jahrhundert bedeutungsvoll. Während der Autarkiewirtschaft wurde im Hinterland nahezu das gesamte in Deutschland erzeugte Nickel produziert. Die von Friedrich Heusler von der Isabellenhütte in Dillenburg 1903 entdeckten Metall­legierungen eröffneten mit ihren bis dahin unbekannten Eigenschaften neue Produkte und Märkte. Durch die konsequente Weiterentwicklung überstand die Hütte nicht nur den Struktur­wandel der Hüttenindustrie, sondern sie entwickelte sich zu einem „Hidden Champion“ und Global Player mit über 700 Mitarbeitern.

   Die industrielle Entwicklung der Region wurde maßgeblich von Unternehmerfamilien, wie Berkenhoff, Buderus, Drebes, Frank, Grün, Heusler, Jung, Haas, Kilian, Mayotte und anderen bestimmt. Sie ermöglichten den Bürgern der Region einen zumindest bescheidenen Wohlstand, obwohl das karge Land lange als Notstandsgebiet galt. Der Bau von Wohnungen, Sozial- und Hilfekassen sowie andere Sozialeinrichtungen gehörten für die Unternehmer zur Selbstverständlichkeit.

   In dem tiefgreifenden Strukturwandel der 1960er und 70er Jahre war der Bergbau der internationalen Konkurrenz nicht mehr gewachsen und wurde völlig aufgegeben. Die auf Gießereiprodukte übergegangenen Hütten zogen Unternehmen aus den nach dem Krieg verlorengegangenen Gebieten an. Neue Namen, wie Viessmann, Winter, Bosch, Meyer(guss), Ahlmann, Loh, Schneider, Roth, Römheld, Klingspor, Weiss, und eine ganze Reihe von Spezialfirmen nutzten das Gelände der Hütten und ihre Facharbeiter für Produkte auf neuen Märkten. Entlang der romantischen Fluss­täler reihen sich an Lahn und Dill, oft unsichtbar, die Industriebetriebe der ehemaligen Hütten wie auf einer Perlenkette aufgereiht und erarbeiten fast 2/3 aller Einkommen. Das uralte Eisenhüttengewerbe hat Mittelhessen zu einem der bedeutendsten und innovativsten Industriestandorte Deutschlands gemacht. Alleine im Bezirk der IHK Lahn-Dill gehören inzwischen 16 Unternehmen mit ihren speziellen Produkten zu den Weltmarktführern.