Georgshütte - Burgsolms

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Bescäftigungsentwicklung
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Hollmann
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Museum
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Hüttengelände_heute
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Geschichte:

 

 Die Fürsten von Solms-Braunfels sahen als Eigentümerin einer Vielzahl hochwertiger Eisenerzgruben in der steigenden Stahlnachfrage der boomenden Industrialisierung des 19. Jahrhunderts eine gute Einnahmequelle. Am 24. Juni 1873 erhielt Fürst Georg von der Regierung in Koblenz die Konzession zum Bau eines Hüttenwerkes in Burgsolms. Als sog. „Hütte auf dem Erz“ bot der Standort ideale Voraussetzungen. Das Hüttenwerk war umgeben von fürstlichen Eisenerzgruben, dessen Erz per Schiene und später durch Seilbahn antransportiert wurde. Der für den Hochofenprozess notwendige Kalk ließ sich im Nachbarort Albshausen gewinnen und das Hüttenwerk lag in der Nähe der Lahntalbahn. Fürst Georg zu Solms-Braunfels, der Namensgeber der Hütte, ließ die Hüttenanlage für 2,75 Millionen Mark, die er von Banken als Kredit erhielt, in einem großzügigen Burgenstil errichten. Er hoffte, den Betrag zuzüglich 6% Zinsen zügig zu tilgen.

   Die Hütte bestand aus zunächst 2 Hochöfen, 6 Winderhitzer, 2 Gichttürmen, 8 Dampfkessel, 5 Arbeiterwohnungen, 2 Beamtenwohnungen, Lokomotiven, einem Kalksteinbruch und andere technische Anlagen. Die Hochöfen waren als typische Schachtöfen ausgeführt und waren mit einer Höhe von je 18,8 Metern Höhe und einem Rauminhalt von 250 Kubikmetern zu dieser Zeit die größten des Lahngebietes. Auch die Zwillingsaufzüge für Gicht und Möller sowie die weiteren Anlagen erreichten außergewöhnliche technische Daten. Der erste Hochofen wurde am 26. Januar 1875 angeblasen.

Die Georgshütte produzierte hauptsächlich Puddelroheisen, das an die Walzwerke an der Dill, besonders an Haas + Sohn, nach Westfalen und in an die Firma August Herwig Söhne in Dillenburg, die zeitweise 1200 t bzw. 800 t im Monat verarbeiteten, verkauft. Gelegentlich wurde auch manganhaltiges Qualitätseisen mit Erzen der Gießener Braunsteinbergwerke erschmolzen. Die Beheizung der Hochöfen erfolgte bereits mittels Steinkohle.

   Die Hütte erwies sich jedoch zunehmend als schwere finanzielle Belastung, so dass Fürst Georg sie im Sommer 1883 Buderus für 1,8 Millionen Mark anbot. Trotz finanzieller Bedenken stimmte Buderus dem Angebot zu, weil damit bei Roheisen sein bedeutendster Wettbewerber ausgeschaltet wurde und die Hütte in das Gießereiprogramm von Buderus gut passte.

   Zur Sicherung der Erzversorgung lieferte Fürst Georg jährlich 50.000 Tonnen Roteisenstein aus seinen Gruben an Buderus. Zusätzlich wurden ein Teil der Wittgensteiner Gruben im Dillrevier käuflich erworben. Die Hauptgruben waren die Roteisensteingruben „Friedrichszug“ und „Eiserne Krone“ im Schelderwald. 1884 erreichten sie eine Fördermenge in Höhe von 184.000 t, was 17% der Gesamtförderung an Lahn, Dill und Oberhessen betrug.  

   1888 wurde der dritte Hochofen errichtet und mit den modernen Cowper-Winderhitzern ausgerüstet, die dem Hochofen Hochofengas statt mit 450° jetzt mit 700 – 800° C zuführten. Auch der Hochofen I wurde 1890 auf gleiche Weise auf den Cowper-Betrieb umgestellt, was den Wirkungsgrad der Öfen deutlich erhöhte.

 

Die nach diesem Prinzip bis heute eingesetzten steinernen Winderhitzer hatten einen Durchmesser von 6 m, waren 20 m hoch und besaßen eine Heizfläche von 3,750 qm. 1897 wurden neue Gebläsemaschinen und Gradierwerke mit den dazugehörigen Pumpenanlagen fertig gestellt, die die Leistung der Hochöfen nochmals verbesserten. In dieser Zeit wurden bei Buderus Überlegungen angestellt, wie man in zweckmäßiger und vorteilhafter Weise eine Ergänzung und Erweiterung des Betriebes schaffen kann. Eine Möglichkeit bot sich in der Verwendung der Hochofenschlacke, die sich zur Herstellung sog. Schlackensteine eignete. Daher wurde auf der Georgshütte eine Anlage dafür errichtet, die gleich auf Jahresbetrieb eingestellt war. 1897 wurde dazu eine neue Dampfpresse mit Mischmaschinen sowie ein Trockenschuppen für die Wintererzeugung in Betrieb genommen. Außerdem wurden Förderbänder und Seilanlagen für Loren aufgebaut, um die Schlacke leichter und billiger an die Presse und an die Eisenbahnwagen zu befördern. Um die Haldenschlacke zu gewinnen, wurde bereit ab dem Jahre 1900 ein elektrisch angetriebener Sandschneider installiert. Ein Jahr später wurde eine Bahn mit selbständiger Wagenentleerung für die Beförderung des Schlackensandes nach der Steinfabrik eingerichtet.

   Einem weiteren großen wirtschaftlichen Vorteil erfuhr die Hütte durch die Erzzufuhr mit der Drahtseilbahn von der Grube Fortuna bei Oberbiel und durch den Bau einer Grubeneisenbahn.

Die Arbeit am Hochofen war körperlich schwer und wegen der Hitze und den entweichenden Gasen nicht für jeden möglich. Es wurde in 2 Schichten zu je 12 Stunden gearbeitet. Pro Schicht gab es 2 Hochofenabstiche. Die Essenpausen bestimmte der Ofen.

   Für die Arbeiter wurden Wasch- und Aufenthaltsräume eingerichtet, und 1899 wurde die komplette elektrische Anlage erneuert. Die Firma Schuckert aus Nürnberg installierte fünf elektrische Bogenlampen, deren Lichtfülle als „märchenhaft“ gepriesen wurde.

   Die bei dem Hochofenprozess anfallenden Schlacken wurden zunächst sporadisch, dann kontinuierlich mit Dampfpressen verarbeitet. Auch wurden die ersten Experimente zur Verwendung der Hochofenschlacke zur Zementerzeugung unternommen.

 

1901 beabsichtigte Buderus die Aufnahme einer Röhrenproduktion auf der Georgshütte. Allerdings hätte die Kreisstraße von Oberbiel nach Burgsolms dazu verlegt werden müssen. Die Eisenbahndirektion der nassauischen Staatsbahn verweigerte jedoch die Zustimmung, weil sie die Verlegung der Bahntrasse, die die Straße kreuzte, nicht für möglich hielt.  

 

Das Ende der Georgshütte

 

Buderus stellte eingehende Pläne für die Erneuerung der Hochofenanlagen auf. Man ging hierbei von der grundlegenden Erwägung aus, die Roheisenerzeugung auf der Sophienhütte in Wetzlar zusammenzufassen. Das bedeutete, dass die Georgshütte in Burgsolms diesem Plan zum Opfer fiel. Als reines Hochofenwerk ohne Weiterverarbeitung der Nebenerzeugnisse arbeitete die Georgshütte zu unwirtschaftlich. Sie wurde schließlich am 29. September 1925 aufgegeben. Die Anlagen wurden in der Folgezeit demontiert. Im Jahre 1930 war die Hütte nach 57 Betriebsjahren Geschichte geworden. Die Arbeiter wurden zum größten Teil sukzessive von der Sophienhütte oder anderen Werken übernommen.

 

Heutige Situation

Das Gelände der Hütte wurde nach Entfernen alle restlichen Gebäude und Anlagen des ehemaligen Eisenwerkes zu dem Industriegebiet „Solmser Gewerbepark“ umgewandelt und auch für Wohnzwecke (Altenheim) bebaut. Ein großer Teil des Hüttenareals ist heute ein Parkplatz. Bis auf die Straßenbenennung „Georgshüttenstraße“ erinnern nichts mehr an die ehemalige Hochofenanlage.