Kerkerbachbahn

Konzessionsurkunde 1
Streckenverkauf (Fremdfoto)
Schiffbeladung F. (Mannes)
Abladen Bhf. Dehrn
Bogenbrücke b. Schupbach
Gleisanschluss Dykehoff u Neumann, Villm
Laderampe d. Marmorwerkes Schupbach
Laderampe, Tongrobe Bawir 2
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Auf Grund vorzeitlicher geologischer Prozesse bildeten sich im südlichen Westerwald bis zur Lahn bei Runkel umfang-reiche Eisenablagerungen. Diese waren Anlass für die Entstehung eines vielfältigen Eisengewinnungs- und Verarbeitungsgewerbes.

Mit dem Aufkommen der Eisenbahnen ergab sich die Möglichkeit, Eisenstein, Kalk und andere Roh- und Baustoffe zu den Werken zu bringen und deren Produkte abzutransportieren.

Im Umkreis des Kerkerbaches befanden sich mehrere solcher Betriebe, in Schupbach u.a. die Christianshütte. Wegen des wachsenden Güterverkehrs aus Gruben, Brüchen, Hütten u.ä. Betrieben in den Seitentälern der Lahn wurde 1873 eine „Gesellschaft für Erbauung von Secundärbahnen“ in Weil-, Issert-, und Solmstal gegründet, die die Wirtschaftlichkeit und Realisierung einer Eisenbahnlinie prüfen sollte.

 

Baugeschichte

Die Lahn war bis Runkel für den Schiffsverkehr ausgebaut und die Lahntalbahn verband den Rhein mit Wetzlar, einem Zentrum der Eisenindustrie des Lahn-Dill Reviers. Um die Betriebe im und um das Kerkerbachtal mit der Bahn zu erschließen, gründete sich am 12, Mai 1884 die Kerkerbachbahn AG von 10 Privatpersonen mit Sitz auf der Christianshütte in Schupbach. Der Gesellschaftszweck war „Der Bau und Betrieb einer schmalspurigen Nebenbahn zur Beförderung von Personen und Gütern zwischen Heckholzhausen und Dehrn mit Anschluss an die Preußische Staatsbahn in Kerkerbach“. Die Endstation in Kerkerbach bei Dehrn war gewählt, weil hier sowohl ein Hafen an der Lahn und ein Eisenbahnanschluss an die Lahntalbahn realisiert werden konnte.

 

Nach mehreren Anläufen wurde mit dem Bau begonnen. Von Kerkerbach über Steeden bis Dehrn wurde die Strecke dreispurig, in Normal- und Kleinspur (1 m) ausgelegt. Ab 1886 fuhren hier zunächst nur Güterzüge, zwei Jahre später auch Personenzüge. 1888 war auch die Strecke über die Christianshütte bis Heckholzhausen fertig. Auf der Christianshütte befanden sich Werkstätten für die Bahn und ein Lokschuppen. Der Gewinn aus dem Transport von Kalkstein, Marmor, Basalt und dem Erzabbau blieb jedoch defizitär, so dass die Gesellschaft zum Anschluss der Tonfelder um Hintermeilingen, der Lahrer Braunkohlelager und der Basaltbrüche um Füllburg und Winkels eine Verlängerung der Strecke bis Mengerskirchen anstrebte. Im Juli 1905 begann der Ausbau der Strecke, die ab 1908 bis Mengerskirchen befahrbar wurde. Die Strecke war damit 35 km lang. Das Letzte Teilstück erwies sich jedoch als unrentabel, vielleicht auch, weil dessen geplante Fortführung bis auf den Hohen Westerwald infolge der Wirtschaftskrisen nach den 1. Weltkrieg nicht realisiert werden konnte. Der Betrieb wurde auf diesem Teilstück knapp ein Jahr später eingestellt. Die Eiserfelder Steinwerke AG kaufte 1920 die Strecke ab Hintermeiligen und betrieb sie bis 1935 als Hintermeilingen-Mengerskirchener Anschlussbahn. Von dieser Strecke gab es Abzweigungen zu verschiedenen Werken, auf denen von 1937 bis 1939 250.000 Tonnen Material für die 14-bögige Autobahnbrücke der A3 bei Limburg transportiert wurde. Anschließend wurde das Teilstück zurückgebaut.

 

Der Personenverkehr wurde zwischen Kerkerbach und Dehrn schon 1929 eingestellt. Zwischen Kerkerbach und Hintermeilingen wurde er mangels anderer Transportmöglichkeiten im Zweiten Weltkrieg und der unmittelbaren Folgezeit bis Mitte 1958 aufrechterhalten. Noch zwei Jahre lang gab es einen bescheidenen Zugverkehr von Kerkerbach bis Schupbach, der dann, wie die anderen Strecken zuvor, durch einen Busverkehr ersetzt wurde.

Der Abfuhr von Kalkstein aus dem Bruch bei Steeden führte 1958 immer noch zu einer guten Auslastung zwischen Dehrn, Steeden und Kerkerbach. Diesen Abschnitt betrieb die Kerkerbachbahn AG weiter, bis ihn ab 1975 die Bundesbahn als Anschlussgleis übernahm.

 

Die Gleise zwischen Kerkerbach und Mengerskirchen wurden abgebaut und in einen Fuß- und Radweg umgebaut. 2007 beschloss die Schaefer Kalk & Co. KG, Eigentümerin des Steedener Kalkwerkes, die noch bestehene Trasse von Kerkerbach bis Dehrn zu reaktivieren, so dass Ende 2009 die ersten Güterzüge wieder verkehren konnten. Das reaktivierte Teilstück Kerkerbach-Steeden wird von der BASF zum Transport von Kalk nach Ludwigshafen intensiv genutzt. Seit 2020 gibt es einen weiteren Verkehr mit ca. 8 Wagen mit Stückkalk von Kerkerbach bis in das Ruhrgebiet zur Verwendung in der Stahlindustrie.

Für die Überlassung der Fotos danke ich sehr Herrn Achim Mannes