Grube Ottilie Braunfels/Philippstein

Krupp'sches Steigerhaus
Stollenmund
Grube Ottilie
Schüttanlage
Laderutsche
Verladeanlage
Gruben um Braunfels
Erzrutsche zur Brechanlage
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Reiche Erzvorkommen bilden die Grundlage für die industrielle Entwicklung des Landes an Lahn und Dill. Obwohl die Lagerstätten seit Jahrhunderten genutzt wurden, wandelten sich das Dillgebiet und das Hinterland an der oberen Lahn jedoch erst im 19. Jahrhundert zum Land der Gruben und Hüttenwerke. An mehr als hundert Stellen wurde im Tagebau, vor allem aber in Stollen untertage Eisenerze abgebaut, zumeist in Form von Roteisenstein und Brauneisenstein. Aber auch zahlreiche andere Erze wurden in diesem Bergrevier abgebaut. Das zum Herzogtum Nassau gehörende Revier entwickelte sich zeitweise zum größten Eisenlieferanten Europas.

Auch bei Braunfels befinden sich sehr ergiebige Lagerstätten. In 13 eng benachbarten Gruben kann Erz mit einem äußerst hohen Eisengehalt von bis zu 70% abgebaut werden.

Der Fürst zu Solms-Braunfels erhielt 1849 die Erlaubnis, zwischen Braunfels und Philippstein nach Eisenerz zu schürfen. Er traf auf eine Lagerstätte und errichtete hier eine Grube, die er nach seiner Ehefrau „Ottilie“ nannte. 1962 ließ er vom Iserbachtal aus den Tiefe Stolln“ vorantreiben. (Iserbach = Eisenbach).  Dieser Stollen wurde: 1903 auf 470 m, 1915 auf 620 m und 1934 auf eine Gesamtlänge von 1085 m aufgefahren. Ebenfalls 1862 wurde das Erzlager von der Gegenseite – vom östlichen Solmsbachtal nahe Bonbanden – durch einen weiteren Stollen aufgeschlossen, die im Laufe der Zeit bis auf eine Gesamtlänge von 840 m erweitert wurde.

Bis 1877 wurden auf den Gruben bei Braunfels bereits über 200.000 t Erz gefördert. Die Grube Ottilie ernährte damit etwa 60 Familien, alle 13 Gruben zusammen über 1000. Die Eisenindustrie bescherte der strukturschwachen Region damit einen bescheidenen Wohlstand

Die Anlage eines Tiefbauschachtes musste 1903 mangels geeigneter maschineller Einrichtung aufgegeben werden.

Im Dezember 1906 verkaufte der Fürst das Bergwerk an Krupp, unter dessen Leitung die Grube erweitert und die Stollen verlängert wurden. Während des 1. Weltkrieges wurden Untersuchungen durchgeführt und ab 1918/19 der Betrieb nach der Verlängerung des „Tiefe Stolln“ wieder fortgeführt. In der Wirtschaftskrise der 1920er Jahre musste die Grube wegen der schlechten Absatzlage erneut aufgelassen werden.

Erst 1934 wurde der Betrieb wiederaufgenommen und der „Tiefe Stolln“ auf seine endgültige Länge erweitert. Es wurden modernste Techniken eingesetzt und die Stollenpferde durch Lokomotiven ersetzt.1943 wurde die Grube Ottilie aus wirtschaftlichen Gründen mit der benachbarten Grube „Eisenfeld“ als eine Betriebseinheit zusammengeführt. Die wirkliche Zusammenführung erfolgte erst 1959, nachdem auch eine räumliche Verbindung mit der 190 m Sohle von „Eisenfeld“ aufgefahren worden war. Es wurde ein Blindschacht fertiggestellt und Fördermaschinen von einer ande4ren Grube eingesetzt.

Entsprechend dem Wunsch nach feinklassiertem Erz wurde mit Millionenaufwand die damals modernste Aufarbeitungs- und Verladeanlage des gesamten Lahnreviers errichtet. Die Erze wurden vom Verladeturm auf Wagen einer Schmalspurbahn, der Ernstbahn, aufgeladen, die sie zum Bahnhof nach Braunfels

Der Eisenerzbergbau neigte sich im Lahn-Dill Revier jedoch dem Ende zu. Die hier geförderten Erzen ließen sich wegen ihren relativ hohen Phosphorgehaltes nicht großtechnisch verarbeiten und Importerze waren zudem besser und billiger zu haben.

1962 musste die Grube Ottilie nach 113 Jahren ihren Betrieb einstellen. Die Gebäude gingen in Privatbesitz über.

Mit ihren modernen kubischen Gebäuden, in denen die Erze gebrochen und aufbereitet wurden, mit dem Schrägförderband und dem Verladeturm sowie mit Werkstatt- und Personalgebäuden bildet die Grube ein bedeutendes Denkmal der Industriekultur an Lahn und Dill.