Besucherbergwerk Grube Fortuna - Solms

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Im Bezirk des Bergamtes Wetzlar werden über 350 Gruben an der mittleren Lahn genannt. (https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Bergwerken_im_Lahn-Dill-Gebiet)

Einige von ihnen haben eine lange Geschichte, andere waren nur kurz in Betrieb oder wurden mit anderen Grubenfeldern zusammengelegt (konsolidiert). Eine besondere Bedeutung hatte hierbei die Grube Fortuna bei Oberbiel. Sie stellte als letzte Eisensteingrube des Lahn-Dill Reviers ihren Betrieb ein.

Grube Fortuna

Die Grube Fortuna nimmt eine Sonderstellung unter den Gruben des Lahn-Dill Reviert ein. Sie war es die ausgiebigste und modernste und stellte als letzte Grube des Reviers ihren Betrieb ein. Sie dient heute als Besucherbergwerk und beherbergt ein großes Feldbahn-, Grubenbahn- und Kleinbahnmuseum.  

 

Römische Funde bezeugen, dass im Lahn-Dill Gebiet, besonders im Raum Wetzlar, schon in früher Zeit Eisenerz gewonnen wurde. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in der Anlaufphase der Industrialisierung viele Anträge auf Erteilung von Schürfrechten bei der zuständigen Landesregierung gestellt.

Die Lagerstätten der Grube Fortuna in der Gemarkung Solms-Oberbiel wurden im März 1846 als „Eisensteinbergbau Klosterwald“ dem Fürst Ferdinand zu Solms-Braunfels reserviert und ihm 1849 die Schürfrechte für das über 1 qkm Grubenfeld verliehen. Bereits vor 1846 baute man im Tagebau in den Distrikten Arnsberg und Hegewald der Gemarkung Berghausen Eisenerz für die fürstliche Hütte in Aßlar ab. Im April 1946 wies die Rentkammer die Grube Fortuna dem Unternehmen J.W. Buderus für die Pachtdauer der Aßlarer Hütte bis 1861 für die Ausbeutung zu. Zunächst wurde Brauneisenstein und Flusseisenstein im Tagebau (bis weit in die zweite Hälfte des 19. Jh.) und im Tiefbau, später auch der hochwertige und begehrte Roteisenstein gefördert. 1857 errichtete man eine Erzwäsche unterhalb des Klosters Altenberg und 1860 eine Aufbereitungsanlage in der Nähe der Grube. Der Transport des Erzes erfolgte mit Pferdefuhrwerken, zunächst zur Verhüttung nach Aßlar, ab 1878 mit einer 3,6 km langen Seilbahn zum Hochfenwerk der Georgshütte nach Burgsolms.

Einen ersten tiefen Stollen ließ der Fürst nach 1860 vom Fortunatal nach Nordwesten treiben. Unter Tage wurden Schächte angelegt, die dem Abtransport des Eisensteines und der Wetterführung dienten. In den Folgejahren wurden hochwertige Roteisensteinlager (bis zu 53% Fe-Gehalt) aufgeschlossen und die Untertagebauten ausgeweitet. 1880 wurde eine 3.200 m langen Seilbahn zur Georgshütte von Buderus und zur Bahnstation nach Burgsolms fertiggestellt.

Auf einem mächtigen Brauneisensteinlager legte man 1881 einen Tagebau an, der schon im ersten Jahr mehr Eisenstein förderte als alle anderen Grubenbauten zusammen. Nach Anlage eines neuen Stollens traf man 1882 auf ein mächtiges Brauneisensteinlager und konzentrierte sich auf den Abbau dieses quarzhaltigen Eisensteins, den Buderus für sein Gießereiroheisen bevorzugte. Obwohl man später auf ein neues Roteisensteinlager traf, konnte dieses wegen Streitigkeiten mit der Stadt Wetzlar, die ihr Trinkwasser von hier bezog, nicht abgebaut werden. Stattdessen errichtete man 1904 nördlich einen weiteren Schacht. Eine bei dem Schacht errichtete elektrische Zentrale mit zwei Dynamomaschinen lieferte der Fördermaschine und einer Zwillingsabteufpumpe den Strom.

1906 verkaufte der Fürst die Grube Fortuna zusammen mit dem gesamten Fürstlichen Grubenbesitz an die Firma Friedrich Krupp. Krupp modernisierte die gesamte Grubenanlage grundlegend, vor allem die maschinelle Ausrüstung. Nach 1907 wurde ein neuer Maschinenschacht, zunächst mit 40 m Teufe, später bis 150 m abgeteuft. Im Folgejahr wurde eine zweite Seilbahn mit 3.200 m Länge fertiggestellt, die von der Aufbereitungsanlage zum Bahnhof Albshausen führte. Von dort wurde das Erz mit der Lahntalbahn entweder nach Wetzlar zur Sophienhütte oder in das Ruhrgebiet befördert. Weitere Stollen bis 250 m Tiefe wurden vorangetrieben und modernste Benzollokomotiven für die Grubenbahn eingesetzt. Direkt am Maschinenschacht errichtete Krupp ein Kesselhaus, ein Maschinenhaus, ein Werkstattgebäude und ein Beamtenwohnhaus. Das Maschinenhaus gehört heute zu den architektonisch bemerkenswertesten Gebäuden des deutschen Erzbergbaus.

1915 wurde der Neue Tiefe Stollen angefahren und ein neuer Schacht angelegt, der heute zum Besucherbergwerk gehört. Unter Krupp entwickelte sich die Grube Fortuna zur produktionsstärksten Grube des Lahn-Dill Reviers und übertraf 1910 erstmals die Förderung von 50.000 Tonnen. Das Erz wurde zunehmend auch an andere Hütten, besonders auch nach Oberschlesien, verkauft. 1862 förderten 30 Arbeiter 2.826 Tonnen Erz, 1885 waren es ca. 27.000 Tonnen und 182 Arbeiter. Bei Verkauf an Buderus war die Produktion waren nur noch 84 Arbeiter beschäftigt, die 11.666 Tonnen förderten. Die Produktion erreichte 1916 einen vorläufigen Höchststand mit 58.383 Tonnen bei 151 Arbeitern.

 

Die große Wirtschaftskrise von 1923 zwang zu Massenentlassungen. Dennoch wurde die Grube weiter erschlossen und ab 1934 wieder mit Hochdruck gefördert. Grubenbahnen, Aufarbeitungsanlagen und Transportanlagen wurden modernisiert.

Nach dem Krieg übernahm 1953 die „Harz-Lahn-Erzbergbau AG“ den Bergwerksbetrieb.

1954 wurde ein neues Zechenhaus und 1957 ein neues Fördermaschinenhaus errichtet und 1959/60 ein Verbin-dungsschacht zur Wetterführung zur 100 m Sohle gebohrt.

In den 60er Jahren deutete sich langsam die Schließung der Gruben im Lahn-Dill-Revier an. Das Erz war wegen der Höhe seines Phosphorgehaltes in modernen Anlagen nur noch als Zuschlag verwendbar und musste den billigeren und besseren Importerzen weichen. Eine Grube nach der anderen schloss. 1962 erfolgte die erste Schließung der Grube Fortuna. Eine kleine Mannschaft sorgte für Stilllegungsarbeiten. Wegen technischer Probleme bei der Verhüttung der Importerze öffnete die Grube 1963 bereits wieder. Spezielle Radfahrzeuge wurden für den Untertagebetrieb (Fahrlader) eingesetzt und der Eisenstein wurde mit LKWs zum Bahnhof Albshausen transportiert. Viele technische Verbesserungen, insbesondere zur Wetterführung, wurden installiert.

Als die Grube Fortuna 1983 schloss, blieb als „Juwel“ der Anlage das alte Maschinenhaus von Krupp in der typisch Krupp'schen Burgenbauweise bestehen. Mit seinem mit Zinnen verzierten Mittelturm und Backsteinornamentik erinnert es als Industriedenkmal an die einst glanzvolle aber auch wechselhafte Geschichte des Eisenerzbergbaus zwischen Lahn und Dill. Die Grube Fortuna unterliegt als geschütztes Kulturgut den Haager Konvention, die u.a. besagt, dass die Grube im Falle kriegerischer Auseinandersetzungen nicht bombardiert werden darf.  

Das neue Zechenhaus aus der Nachkriegszeit und die Anlagen der Grubenbahn liegen mehrere Hundert Meter unterhalb des alten und neuen Maschinenhauses. Es dient heute als Gaststätte und Informationszentrum. 

Ab 1985 dient die Grube Fortuna als Besucherbergwerk. Der ‚Förderverein Besucherbergwerk Fortuna e.V.‘ organisiert die Erhaltung, den Ausbau zum Besucherbergwerk und Führungen. Mit einem Förderkorb erreichen die Besucher in 150 m Tiefe den alten Abbaubereich, wo ihnen von fachkundigen Führern die Technik des Eisenerzabbaus erklärt wird. Seit 2011 ist der Verein Geowelt Fortuna e.V. Träger des Besucherbergwerkes. Dieser wird durch öffentlichen Mitteln und großzügigen Spenden mittelhessischer Firmen unterstützt.

Das Besucherbergwerk ist Teil der „Route der Industriekultur Mittelhessen“ und gehört zum „Netzwerk Europäische Route der Industriekultur“ (ERIH).

Neben dem Besucherbergwerk befindet sich auf dem großen Freigelände vor dem Zechenhaus das „Feld- und Grubenbahnmuseum Fortuna“ (FGF). Hier kann man über 50 Lokomotiven und über 100 Wagen von Feldbahnen, Grubenbahnen und Kleinbahnfahrzeuge bewundern. Auf einer ca. 2,5 km langen Schmalspurstrecke werden Fahrten mit einem Zug angeboten, der von Dampflokomotiven gezogen wird.