Langhecker Hütte

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​​Der Ort Langhecke im Landkreis Limburg-Weilburg nahe Aumenau an der Lahn ermöglicht auf Grund der lagerstättenmäßigen Gegebenheiten einen vielseitigen Bergbau. Bei diesem Ort ziehen sich die Eisenerzlager aus der Gegend von Villmar, Oberbrechen, Niederselters, Eisenbach, Weyer, Münster, Wolfenhausen, Laubuseschbach, Blessenbach, Langhecke über Aumenau und Seelbach bis in den Raum südlich von Falkenbach hin. Die Metallerzgruben, in denen neben Eisen auch noch Silber, Blei und Kupfer gewonnen wurde, liegen in der Gemarkung Langhecke und Weyer. Über die Langhecker Hütte erfährt man wenig, oft auch nur indirekt, da der Bergbau, besonders in späteren Jahren, in Form des Abbaus von Dachschiefer, eine immer größere Rolle einnahm und dadurch mehr dokumentiert wurde. 1615 ist erstmals die Verwendung von Silber aus Langhecke für das Prägen kurtrierischer Münzen nachweisbar. Der Chronist H. Höhler bemerkt: “Es ist, als habe der Himmel auf diesen wenigen Quadratmeilen seinen besonderen Segen an Mineralien ausgestreut“.

 

Geschichte der Eisenhütte

 

Über den Bergbau in Langhecke erfahren wir erstmalig von dem Schichtmeisters der Hütte, Konstantin Birkenbeutel. In einem Bericht aus dem Jahr 1644 über dem Zustand der Langhecker Bergwerke, teilte er seinen Landesherren mit, dass der Bergbau und der Hüttenbetrieb während des Dreißigjährigen Krieges zu Erliegen gekommen sind. Die bergbaulichen Tätigkeiten reichten aber zunächst bis 1618 und während des Dreißigjährigen Krieges wurden weiterhin Silber- und Kupfererze gefördert und verhüttet. Der Bergbau wurde mit vielen Unterbrechungen weitergeführt, aber der Eisenerzbergbau kam in Kriegszeiten zum Erliegen. Damit beschränkte sich die Aufgabe der Hütte auf das gelegentliche Erschmelzen von Silber und Kupfer.

Die Anfänge der Eisenschmelze liegen vermutlich zu Beginn der Eisenzeit um 500 v.Chr. Die einfachen aus Lehm gebauten Rennfeueröfen ergab einen kohlenstoffarmen, schmiedbaren Klumpen Eisenerz, der sog. Luppe. Reste solcher Rennfeueröfen einschließlich Schlacken und der Luppen findet man noch heute in der Gegend um Langhecke.  

Mit zunehmendem Eisenbedarf entwickelten sich aus den einfachen Rennöfen unter Ausnutzung der Wasserkraft für Gebläse und Pochhämmer immer größere Schmelzöfen, Hütten oder Hämmer.

Zum Aufschwung des Langhecker Bergbaus trug besonders der Bergschultheiß Heinrich Henneberger und sein Sohn Johann Nicolaus Henneberger bei. Johann Nicolaus war dabei die treibende Kraft. 1691 erhielt er das Amt des Kurtrierischen Villmarer Bergschultheißen.  

Während der Hüttenbetrieb im Siebenjährigen Krieg danieder lag, erfolgte anschließend eine starke Ausbreitung des Eisenhüttenwesens. In kurzer Reihenfolge wurden Hütten wiedereröffnet. 1780 ließ der kurtrierische Landrentmeister Wilhelm Fritsch den verfallenen Eisenhammer bei Oberselters und kurz darauf eine neue Eisenschmelze in Langhecke errichten.

Laut Belehnungen aus den Jahren 1751 und 1780 durch die damalige Landesherrschaft, den Kurfürsten von Trier, erhielt die Langhecker Hüttengewerkschaft das Recht, Erze abzubauen. Die Hüttengewerkschaft betrieb in einem Waldstück außerhalb des Ortes eine Hütte (Schmelz), die neben Eisen auch Silber und Blei einen kleinen Holzkohle- Hochofen darstellte. Die Langhecker Hüttengewerkschaft ging später auf den Holländer Jean Marchant in Harlem bzw. an dessen Erben über. 1803 erhielt der Herzog von Nassau die bergrechtliche Hoheit.

Die nassauische Landesregierung ermittelte in einer Untersuchung aus den Jahren 1815-1817 die Hütten- und Hochofenwerke in Nassau. Ausdrücklich wird an der unteren Lahn ein Hüttenwerk in Langhecke erwähnt. Im Jahre 1809 wollte man anlässlich einer Messe in Frankfurt eine Vereinbarung über Eisenpreise erreichen. Geladen waren dazu die Hüttenverwalter, von der Langhecker Hütte der nassauische Hüttenverwalter Müntz.

Über den Aufbau und die wirtschaftlichen Leistungen der Hütte erfährt man wenig. Gerlach beschreibt für die Zeit von 1800-1850 über die Langhecker Hütte: „Mit ihr war Joh. Marchant aus Harlem belehnt. Da sie (die Hütte) nur von Gruben- und Stollenwasser betrieben wurde, dessen Kraft immer nur zum Betrieb des Gebläses oder der Stein- und Schlackenpoche ausreichte, so hatte sie…. keine glänzenden Betriebsresultate aufzuweisen. Sie ging meist nur 30 bis 36 Wochen und lieferte bei einer Ausbringung vom 30-40% ca. 700 -800 Pfund Eisen jährlich.“

 

Infolge betrieblicher Stilllegungen wurde um die Abbaurechte früherer Belehnungen gestritten. Die Nassauische Landesregierung belehnte die Langhecker Hüttengewerkschaft 1844 erneut mit der Hütte und einigen Gruben. Die Grube Gottesgabe ging 1858 an die Phönix AG Bergbau- und Hüttenbetrieb mit Sitz in Köln über. Die Hütte in Duisburg-Ruhrort verarbeitete den größten Teil der Langhecker Erze, die über die inzwischen schiffbar gemachte Lahn bis Duisburg gelangten.

Der Hochofen in Langhecke war aber weiter in Betrieb. Er lieferte der Phönix AG jährlich 1200 Tonnen Roheisen. Worauf die deutliche Produktionssteigerung seit der Schilderung von Gerlach zurück zu führen ist, ist nicht bekannt. Es müssen umfangreiche Modernisierungen vorgenommen worden sein.

 

Weitere Aktivitäten der Hütte sind nicht bekannt.  Der Bergbau wurde 1872 an die Firma Krupp in Essen veräußert, die auch die Verhüttung besorgte. Man muss davon ausgehen, dass im Zuge der umfangreichen Umwälzungen der Gruben- und Hüttenindustrie mit der Verlagerung der Roheisenerzeugung in das Ruhrgebiet, die kleine „Schmelz“ in Langhecke etwa zu dieser Zeit seinen Betrieb einstellte.

Die bestehenden Gebäude sind bewohnt und stehen unter Denkmalschutz.