Puddlings- und Walzwerk August Herwig Söhne, Dillenburg

Werkansicht Luftfoto j
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Werk um 1900
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Puddelwerk Ende des 19.Jh
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Puddelwerk 1936 vom Laufensten Stein gesehen
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Im Jahre 1867 gründeten Rober Herwig ud seine Frau Emma sowie Roberts Brüder Oskar und Moritz das Puddlings- und Walzwerk August Herwig Söhne in Dillenburg. (Andere Quellen nennen Robert und Emma Herwig usammen mit den vier Kinder von August und Luise Herwig geb. Jung als Gründer).

Das Werk bestand zunächst aus zwei Puddelöfen, einem Schweißofen, einem Auswerfhammer und einer dreigerüstigen Walzstraße. Dampfmaschinen betrieben die Walzstraßen. Im Schein von Öllampen, die später durch Petroliumlampen ersetzt wurden, rührten bzw. puddelten die Hüttenmänner das flüssige Roheisen in den flachen Herdöfen mit der Kratze, damit es immer wieder mit den frischenden Feuergasen in Berührung gebracht wurde. Teigig und schließlich steif geworden, ließ sich der Eisenmasse mit der Spitze von Hand in einzelne Luppen zerteilen und mit Zangen herausnehmen. Diese Rohluppe kam unter den Hammer, der sie ausschmiedete und von Schlacken befreite, damit sie zu Rohschienen (Platinen) ausgewalzt werden konnten.

 

1885 wurden neue Grob- und Feinstraßen für den Walzbetrieb errichtet. Die Dampfmaschinen wurden jetzt mit Braunkohlenbrikettgas betrieben. Auch konnten jetzt Messing- und Bronze gewalzt werden. Diese Technik ermöglichte das Werk zur Auswalzung sog. Stehbolzen für den Lokomotivbau. Hierfür hatte die Isabellenhütte in Dillenburg eine spezielle Manganbronze entwickelt.

In der Blütezeit waren an sieben Puddelöfen, den drei Schweißöfen, den Dampfhämmern und Stahlstraßen bis zu 700 Arbeiter beschäftigt. Herwig entwickelte sich zum größten Arbeitgeber der Oranierstadt.

Die Eisenerzeugung aus der Herwig-Schmiede genossen im In- und Ausland wegen ihrer extrehmen Dehnung einen guten Ruf. So wurden u.a. im großem Maße Ankerketten für den überwiegenden Teil der großen Passagier- und Frachtschiffe produziert.

Bis 1930 wurden die Stehbolzen von der Fa.  August Herwig Söhne in die benötigte Form ausgewalzt.

Der nächste Innovationssprung war 1910 eine Dampfmaschine mit 450 PS. Automatenweichstahl aus den Siemens-Martin-Öfen lösten zunehmend das Automatenweicheisen ab. Dieser war seewasser- und korrosionsbeständig und wurde zur Herstellung der Ankerketten für die berühmten Passagierschiffe „Bremen“ und „Europa“ verwendet.

1918 legt die Familie wegen Absatzschwierigkeiten das Werk mit der Oberbieler Zieherei zusammen.

1925 wurden einige Puddelöfen auf Kohlestaubfeuerung umgestellt, was eine höhere Temperatur erbrachte.

1920 erhielt das Puddlings- und Walzwerk den Auftrag zur Errichtung eines Elektrizitätswerkes in Oberbiel an der Lahn.  Drei Jahre später folgte das Turbinenhaus des Lahnkraftwerkes.

Anfang der 1930er Jahre stand das Werk wegen der schlechten Wirtschaftslage mehrfach still.

Ein Generationenwechsel, an dem auch zwei Brüder beteiligt waren, die in Oberbiel bei Wetzlar eine Drahtzieherei betrieben, veränderte die Geschäftslage. Die mit Wasserkraft betriebene Zieherei geriet nach der Inflation in Zahlungsschwierigkeiten, in dessen Folge in den schlechten Zeiten Anfang der 30er Jahre das Werk in Dillenburg in Liquidation ging.  Nach mehreren Versuchen zu einem Neuanfang, die erfolglos blieben, schloss das Werk, dass teilweise 250 Mitarbeiter hatte, 1936 endgültig.

Am 6. April 1938 wurden die verbliebenden fünf Schornsteine des Werkes durch ein Pionier-Batallion aus Mainz-Kastel unter Anteil vieler Schaulustiger gesprengt.