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Bierkästen
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Bier ist eines der wichtigsten flüssigen Nahrungsmittel in Mitteleuropa, galt es doch in früheren Zeiten sauberer als Wasser. War es im Mittelalter eher ein "Fruchtsaftgetränk" mit geringem Alkoholanteil, so explodierte die Bierproduktion mit den unterschiedlichsten Sorten im 19. Jahrhundert. Auch in der Wetterau wurde in Lich und Butzbach Bier gebraut. Die Brauereien zweier Familien, die durch Heirat verbunden war, gründeten die Brauerei Ihring Melchior in Lich. Licher Bier "aus dem Herzen der Natur" wurde zeitweise zu einer der beliebtesten Biermarken in Deutschland, vor allem in Hessen.

1854 gründete Johann Heinrich Ihring in Lich eine Brauerei zum Ausschank im Gasthof seines Vaters. Schon 1873 wurde eine Dampfmaschine angeschafft und um die Jahrhundertwende wurden schon über 20.000 Hektoliter gebraut, die bereits 1911 mit einem Lkw an Gaststätten in der Umgegend ausgeliefert wurden.

Vier Jahre nach dem Gründungsjahr stellte auch Christoph Jakob Melchior im nahen Butzbach Bier für seinen Gasthof her. Seine Brauerei nannte er 1861 „Gabrinus-Brauerei“. 1895 schaffte er eine Kältemaschine zur Herstellung von untergärigem Bier an und produzierte um die Jahrhundertwende bereits 27.000 Hektoliter Bier. Nach dem Tode des Vaters nannte die Söhne Hermann Melchior und Christoph Melchior, einem gelernten Brauer) die Firma: „Gabrinus-Brauerei C.J. Melchior“.

Beide Brauereien modernisierten ständig ihren Betrieb, wobei Melchior 1890 eine Fernsprechleitung und elektrisches Licht erhielt.

Zunächst dehnten beide Betriebe ihren Abnehmerkreis weiter aus, bis der erste Weltkrieg zu Rohstoff- und Arbeitskräftemangel führte, die bis in die Nachkriegszeit andauerte. Ab 1922 verhandelten beide über eine Zusammenarbeit, die 1923 durch Heirat auch persönlich gestärkt wurde. 1923 wurde die Brauerei Ihring-Melchior KG gegründet, wobei man sich auf den Standort Lich einigte. In Butzbach blieben die Mälzerei und ein Bierlager. Die Produktion betrug zusammen 60.000 Hektoliter und während der Inflation 1923 betrug der Gewinn sagenhafte 1.626.640.632, also etwa 1,6 Billionen Mark. In diesem Jahr wurde der Sohn von Heinrich Ihring, Hans Ihring, geschäftsführender Gesellschafter. Nach Anschaffung eines zweiten Eisgenerators 1926 wurde die Brauerei unabhängig von Natureis und die Produktionskapazität wurde insgesamt auf 25 Tonnen Kunsteis pro Tag erhöht. 1929 hatte das Unternehmen 15 Bierniederlagen im Umkreis und beschäftigte 100 Mitarbeiter.

Die Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren traf auch die Brauerei Ihring-Melchior, deren Absatz auf dem Höhepunkt 1931 auf 44.000 Hektoliter sank. Auf Grund des nachfolgenden Wirtschaftsaufschwungs konnten 1938 schon wieder 1200 Flaschen „Licher“, insgesamt 80.000 Hektoliter, verkauft werden. Die Brauerei hatte in dieser Zeit schon wieder 150 Mitarbeitet, die 1940/41 Anfang des Krieges auf über 100 Tausend Hektoliter produzierten.

In Folge des fortschreitenden Krieges litt das Unternehmen wieder unter Material- und Arbeitskraftmangel.

 

Die Amerikaner, die in Hessen von Frankfurt aus vor allem in der Wetterau ihre Hauptstützpunkte hatten, beschlagnahmten die Brauerei 1945 und erklärten sie zum Lieferanten der amerikanischen Besatzungstruppen. 1948 fiel das Verbot, die normale Kundschaft zu bedienen. Im selben Jahr brachte Ihring-Melchior das „Doppel-Export“ mit 14% Stammwürze auf den Markt.

Die Geschäftsleitung ging in die Hände von Hans Ihring und dem Verwandten Otto-Karl de Groote über, die ab 1950 den Betrieb grundlegend erneuerten. Mit 127.140 Hektoliter hatte die Brauerei in Lich die Marktführerschaft in Hessen übernommen. Die Brauerei produziert über 1 Dutzend unterschiedliche Biersorten.

Mit zunehmender Konzentration in der Wirtschaft übernahm 1999 die Holsten-Brauerei zunächst Anteile, später die Mehrheit an der Brauerei.

Mit ihrem 150-jährigem Jubiläum wurde die Licher Brauerei an die Bitburger Braugruppe verkauft, ein gutes Geschäft, denn die Licher Brauerei hatte Abnahmeverträge mit über 12.000 Gastronomiebetrieben, alleine fas 7.000 davon in Hessen.

Die Brauerei erreichte mehrere Zertifizierungen und Audits und 1982 die Ehrenplakette des hessischen Umweltministeriums, denn das Werk arbeitet mit einer vollbiologischen Kläranlage. Der Rohstoff Malz wird von vielen verschiedenen Herstellern bezogen. Das Bier reift in Dutzenden sehr großer elektronisch gesteuerten Gärtanks. Seit 2006 sind zwei Abfüllanlagen in Betrieb, die pro Stunde 55.000 Flaschen abfüllen können und 2010 wurde eine neue Flaschenwaschmaschine angeschafft.

Im Jahre 2018 hatte die Brauerei 186 Beschäftigte, davon 10 Lehrlinge und ist damit der größte Arbeitgeber in der Wetterau um Lich herum.

Die Licher Brauerei sponsert verschiedene Projekte des Umweltschutzes, der Freizeit- und Nationalparks, sowie Wiesenfeste u.ä. Veranstaltungen. Außerdem schreibt die Brauerei einen Fotowettbewerb aus, unterstützt Vereine, besonders Sportvereine der Umgegend.