Nieverner Hütte

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Vorgeschichte

 

Die Nieverner Hütte in Fachbach bei Bad Ems ist in mehrfacher Hinsicht exemplarisch für die Geschichte des Eisenhüttenwesens an Lahn und Dill, was in folgender Beschreibung näher erläutert wird. Da die Literaturquellen zur Nieverner Hütte rar sind, greife ich im Wesentlichen auf die Forschungen von Peter Wilhelm Ortseifen sowie von Agnes Allroggen-Bendel, Ulrich Brand und Ute Brand zurück, die in bewundernswerter Weise die Geschichte der Hütte vor Ort erforscht haben.

Die älteste bekannte Abbildung der Nieverner Hütte findet sich auf einem Stich von C. Jügel, der als Nachdruck des VGDL zum 50jährigen Schließungstages der Hütte erhältlich war. Die Hütte wird von Nordosten her erfasst und zeigt die Hauptgebäude im rechten Bildteil. Romantisierend sind hier die typischen hohen Schornsteine weggelassen.

Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges fand in Frankreich unter Ludwig XIV. ein erbitterter Kampf um die spanischen Niederlande, etwa dem heutigen Belgien, statt. Viele protestantische Wallonen flohen nach Deutschland. In der Bergbauregion der Wallonie hatten einige von ihnen Kenntnisse und Erfahrungen im Eisenhüttenwesen erlangt und siedelten sich in den Bergbaurevieren an der unteren und mittleren Lahn an, die ihnen durch das Vorhandensein der natürlichen Ressourcen- vor allem Metallerzgruben- die Gelegenheit zur Weiterführung ihrer erlernten Tätigkeiten boten.

Im Jahre 1671 ersuchten die Familien Mariot und Bouille um die Errichtung einer Eisenhütte bei Bad Ems bei seinen Landesherren, dem  Kurfürst von Trier, nach. Die deutschen Landesherren waren nach den Verwüstungen und der Entvölkerung durch den Dreißigjährigen Krieg bestrebt, die Wirtschaft in ihrem Land zu fördern. Um ihre Einnahmen aus den Verleihungsrechten zu erneuern und auszuweiten, behandelten sie das Ansinnen der Wallonen mit Wohlwollen.  Am 21. Mai 1671 erteilte Carl Caspar von der Leyen, Kurfürst zu Trier, den Eisenhüttenmännern Peter Michael Mariot, Gerhard Franz Bouille und seinen Erben sowie Gottfried Eberhard Nottemans die Erlaubnis, auf einer kleinen Lahninsel bei Nievern einen Eisenhammer und eine Schneidemühle zu errichten und gewährte ihnen das Wasserrecht an der Lahn.

In England und Belgien war das Eisenhüttenwesen europaweit führend. Johann Mariot, Kaufmann und Hüttenmeister aus Lüttich, hatte bereits am  Niederrhein, der Mosel und der Lahn seit 1830 insgesamt 14 Bergwerke und Eisenhütten gegründet. Sein Sohn Peter Michael führte mit seinem Schwager Bouille und dem Anverwandten Nottemans die Geschäfte nach seinem Tod im Jahre 1670 fort und erweiterten sie jetzt um die Hütte auf der Lahninsel bei Ems.

Bei dieser Insel, „klein Wertgen“ genannt, handelte es sich um eine Sandbank, die sich im Laufe der Jahre durch Geröll, später durch die Aufschüttung mit Hochofenschlacke, ständig vergrößerte. Ein eher bescheidenes Werksgelände mit dem Vorzug jedoch, dass die schmale Flussseite einen natürlichen Wassergraben zur Ausnutzung der Wasserkraft durch Anbringen von Wasserrädern ergab. Damit konnte der sonst hohe Investitionsaufwand zum Bau eines Stichkanals wegfallen.

 

Mit dem Bau eines Hochofens, eines Hammerwerkes und der Errichtung der Wasserkraftanlagen wurde 1671 begonnen. Sie dauerte drei Jahre, so dass die Produktion erst 1674 beginnen konnte.

Auf der Nieverner Hütte wurde die sog. „Wallonschmiede“ betrieben, die sich an der unteren Lahn  bis weit in das 19. Jahrhundert erhalten hat. Hierbei fand das „Ausheizen“ und das „Frischen“ getrennt in zwei unterschiedlichen Herden statt, eine Methode, die zuerst in England angewandt wurde. Heizer und Frischer konnten sich so auf nur einen Arbeitsschritt konzentrieren. Das Frischen konnte dadurch beschleunigt, eine größere Produktion erzielt und eine deutliche Qualitätsverbesserung des Eisens erreicht werden.

Beim Frischen wurde das erschmolzene Roheisen in großen Pfannen noch einmal aufgeschmolzen und dabei das flüssige Eisen mit langen Schiebern hin und her gewälzt. Dabei gelangte Sauerstoff in den Eisenbrei und oxydierte den Kohlenstoff. Diese schweißtreibende Arbeit ermöglichte die Herstellung unterschiedlicher Roheisenqualitäten, die im Wesentlichen durch den Kohlestoffanteil und anderen Beimengungen bestimmt wurde.

Nach dem frühen Tod der älteren Brüder Johann und Walter Mariot (1676 bzw. 1679) erfolgte eine Teilung des Mairotschen Besitzes. Die Linie der älteren Brüder erhielt alle Hessischen, Kurmainzischen und Arnsteinischen Besitzungen. Kurfürst Johann August von Trier erneuerte 1683 das Mariotsche Erbe für die Pacht der Nieverner Hütte. In dieser Konzession war auch das Recht auf Holzeinschlag enthalten, so dass sich die Hütte je nach Produktionsbedingungen mit eigener Holzkohle versorgen konnte.

Der Versuch, den Eisenstein in direkter Nähe des Werkes zu finden, scheiterte jedoch, so dass die Erze und auch der Kalkstein aus den eigenen Gruben um Montabauer herangefahren werden mussten. Grundsätzlich wählten die Mariots bei der Auswahl des Standortes für eine neue Hütte neben den Wasserkraftmöglichkeiten einen Ort, der einen ergiebigen Holzeinschlag garantierte. Der Eisenstein, Kalk und andere Zuschlagsstoffe für den Hochofen wurden durch Fuhrleute herangeschafft.

Mit dem ersten Holzkohlehochofen wurden vor allem Roheisen und Gusseisen in Masseln zur Weiterverarbeitung hergestellt. Auch wurden in entsprechenden Sandformen Gusseisenprodukte für Haus- und Hofgeräte gegossen. Daneben kam es in den politischen Zeiten immer wieder zu Anfragen, wie auch bei anderen Hütten des Lahn-Dill Reviers, auf Lieferung von Kriegsmaterial. So wurden auf der Nieverner Hütte während der spanischen Erbfolgekriege (1701-1714) Kanonenkugeln unterschiedlicher Größe, Handgranaten und Bomben von 30 und 90 Pfund hergestellt. Die Mariots holten sich dafür z.T. Arbeitskräfte aus Wallonien, die mit diesen Tätigkeiten bestens vertraut waren.

Es gibt keine Produktionszahlen aus dieser Zeit, aber alle Berichte deuten darauf hin, dass die Hütte voll in Betrieb war und gute Umsätze erwirtschaftete.

Im Jahre 1694 verstarb Peter Michael Mariot. Er hinterließ die Witwe Maria Laurentia, geb. Malaise und drei Töchter. Die Witwe erhielt für sich und ihre drei Töchter 1694 einen neuen Leihbrief und die Männer der Töchter erhielten einen solchen im Jahre 1713. Aus dem Jahre 1722 ist bekannt, dass ein regelmäßiger Erzbezug bestand, so dass die Hütte bis dahin wohl noch laufend produzierte. In der Folgezeit muss es zu häufigen Schwierigkeiten und Streitereien unter den Familienangehörigen und sogar zeitweise Unterbrechungen des Betriebes gekommen sein und 1729 zeigten sich sogar Auflösungserscheinungen der Mariot’schen Compagnie, nachdem Jean Guillaume de Requilé, das Haupt der Familie, gestorben war.  

Nach seinem Tod von Jean Guillaume erhielten seine Söhne eine Pachtverlängerung bis 1754. Der Sohn, Albert de Requilé, ein Urenkel des alten J. Mariot, leitete das Unternehmen. Sie zahlten die restlichen Mitinhaber aus, konnten den Eisenhüttenbetrieb aber nicht regelmäßig betreiben. Das Leihverhältnis blieb stillschweigend nach dem Tode Alberts eine Generation weiter bis 1785 bestehen, ohne dass die Hütte gepflegt oder gar modernisiert wurde. In dieser Zeit leitete Alberts Bruder Peter de Requilé die Hütte, aber die Erz- und Holzbeschaffung gestaltete sich zunehmend schwieriger. Auch alle Versuche späterer Verwandte konnten die Hütte nicht zu einer neuen Blüte führen. Prozesse, Diebstähle, Raubüberfälle und Streitigkeiten führten schließlich während der napoleonischen Kriege Anfang des 19. Jahrhunderts zum Verfall und weitgehender Aufgabe des Werkes. Versuche des Hüttenmeisters Barme und weiterer Familienmitglieder der Großfamilie Mariot/ Requilé vermochten den Niedergang der Hütte nicht aufzuhalten. Die Hütte, einstmals einer der bedeutendsten in Nassau, stand von 1810 bis 1817 unter nassauischer Zwangsverwaltung. In dieser Situation mischte sich noch ein Streit des Herzogs von Nassau mit dem Kurfürsten von Trier um die Souveränität von Nievern, aber der Herzog von Nassau gab nicht nach. Als Landesherr entschied er, die Hütte am 14. August 1816 versteigern zu lassen. Gegenstand der Versteigerung waren das Landwehr, zwei Hochöfen, ein Stabhammer mit zwei Frisch- und einem Wärmefeuer, ein Eisenschneidewerk, 1 Pochwerk sowie 1 Morgen 7 Ruten Ackerland und 135 Ruten Wiesen.   

Unter scharfen Wettbewerb ersteigerten schließlich Peter Grisar aus Nievern und seine Neffen Martin Grisar und Carl Grisar aus Antwerpen die Hütte für 60.500 Gulden. Mit guten Fachkräften gingen sie zielstrebig an die Verbesserung und Erneuerung der technischen Anlagen. Vorteilhaft war im Rahmen der Schiffbarmachung der Lahn der Bau der Nieverner Schleuse im Jahre 1848 und die Eröffnung der Lahnschifffahrt von der Mündung in den Rhein bis kurz vor Nassau im Jahre 1855. Das neu gegründete Unternehmen firmierte unter „Nieverner Bergwerks- und Hüttenverein“.

Die Gebrüder Grisar orientierten sich gleich an die modernsten technischen Entwicklungen und nahmen 1849 den ersten Koks-Hochofen in Betrieb. Des Weiteren errichteten sie ein Walzwerk, eine Eisengießerei, eine Formerei und bereits eines der ersten Emaillierwerke. Mit Hilfe eines Kupolofens wurden neue Modelle von Herde, Öfen, Töpfe, Grabkreuze und sonstige Artikel für Haus und Hof gegossen. Das Unternehmen florierte dermaßen, dass Kommissionslager in Koblenz, Diez, St. Goarshausen und anderen zentralen Orten eingerichtet werden mussten. 1856 wurde von der Nassauischen Regierung gar der Bau von Zehn Kokshochöfen genehmigt, aber es ist nicht erwiesen, wie viele davon gebaut wurden.

 

Eine umwälzende Neuerung war die Eröffnung der Lahntal-Eisenbahn im Jahre 1858 von Lahntal bis Bad Ems und 1860 bis Nassau. Damit begann eine neue Ära des Transportwesens mit erheblichen Verbesserungen für die Logistik der Hütte. 1863 erhielt die Nieverner Hütte einen Bahnanschluss. Die zunächst errichtete Holzbrücke wurde 1856 durch eine Eisenbrücke ersetzt. Während der Hochkonjunktur um 1860 wurden bis zu 500 Mitarbeiter auf der Hütte beschäftigt.

 

Die Nieverner Hütte war zu der Zeit das bedeutendste Eisenwerk in ganz Nassau. Die Hütte, unter den Vorgängern noch eher als Handwerk betrieben, wandelten sich unter den Gebrüder Grisar zu einem Industrieunternehmen mit großgewerblichen Produktionsformen und entsprechenden Techniken. Eine rationelle, industrielle Massenfertigung verlangte ständige Investitionen und Modernisierungen. Der Landesherr unterstützte diese Veränderungen durch lenkende Eingriffe, und auch der Deutsche Zollverein begünstigte die wirtschaftliche Entwicklung, z.B. durch Zölle auf schottischem Roheisen.

 

Alle diese Investitionen verlangten nach so viel Kapital, dass sie von Einzelfamilien nicht mehr alleine aufgebracht werden konnten. Das neue Aktienrecht ermöglichte, durch Ausgabe von Aktien die Eigenkapitaldecke deutlich zu erhöhen. Zu Beginn des Jahres 1861 bildeten die Gebrüder Grisar mit der Industriellenfamilie Frank aus Eschweiler und dem Siegener Hüttenbesitzer Julius Wurmbach eine Aktiengesellschaft unter dem Namen „Nieverner Bergwerks- und Hüttengesellschaft AG“.  Als Gegenstand der Gesellschaft wurden die Erhaltung der Leistungsfähigkeit der Hütte und die Ausbeutung der dazu gehörenden Eisenerzgruben und Kalksteinbrüche angegeben. Anteilseigner der Gesellschaft waren Fritz Frank mit den Geschwistern Karl Frank, Dr. Georg Frank, Luise Frank und Amalie Frank sowie die Gebrüder Grisar und Julius Wurmbach. Die Hälfte der Aktien hielt die Familie Frank, der damit leitende Stellen im Vorstand und Aufsichtsrat zufielen. Die Familie Grisar übertrug die Hütte an die AG und erhielt als Gegenleistung 200.000 Gulden. Von den ausgegebenen Aktien im Nennwert von je 1.000 Gulden erhielt die Familie Grisar 300, Amalie Frank 100, Friedrich Frank 60 und Julius Wurmbach 40.

Als erstes Investitionsprojekt wurde ein alter Holzkohlehochofen abgetragen und an seine Stelle 1865 ein 12 Meter hoher Kokshochofen nach schottischer Bauart errichtet und in Betrieb genommen. Er war der erste dieser Art im Herzogtum Nassau. Als Erz für die Verhüttung wurde hochwertiger Roteisenstein mit einem Fe-Gehalt von über 50% aus den eigenen Gruben im Lahnrevier südwestlich von Limburg bei Birlenbach und Balduinstein bezogen.

Nachdem die Frank-Familie in den Besitz der Aktienmehrheit gekommen war, wurde Fritz Frank 1871 an die Spitze der Frank’schen Unternehmungen berufen und erhielt auch ein Jahr später die Oberleitung der heimatlichen Eschweiler Werke und danach auch die Leitung der Firma „Frank & Giebler“, die später unter „Frank’sche Eisenwerke“ zur Adolfshütte in Dillenburg große Bedeutung erlangte.

Um Arbeitskräfte aus dem verkehrstechnisch noch nicht erschlossenen Umland zu gewinnen und zu binden, wurden zwischen 1860 und 1880 Werkswohnungen und ein Schlafsaal errichtet. In einer Kantine konnten sich die Arbeiter preiswert verköstigen.

In diesen Jahren hatte eine umwälzende Entwicklung auf dem Markt für Roheisen stattgefunden: Billige und äußerst hochwertige Eisenerze drangen von Spanien, Schweden und aus Übersee auf den deutschen Markt. Ähnliches erfolgte bei der Steinkohle. Beide konnten mit geringen Transportkosten per Seeschiff importiert werden, so dass sich große und hoch effiziente Stahlwerke in der Nähe der Hafenstädte, z.B. bei Stettin, bildeten. Die Roheisenproduktion im Lahn-Dill-Revier war zunehmend nicht mehr rentabel. Auf der Nieverner Hütte wurde daher 1882 der letzte Hochofen ausgeblasen. Eine über 200 Jahre alte Tradition der Eisenerzeugung war damit beendet.

 

Die Nieverner Hütte als reines Gießereiwerk

Alle Investitionen galten nun der Ausweitung und Modernisierung der Gießerei, der Diversifikation der Angebotspalette an zusätzlichen Gussprodukten und der Gewinnung eines neuen Kundenstamms für Kundenguss. Dazu wurden u.a. besondere Emaillierverfahren entwickelt, die den Porteriewaren neuen Absatz bescherten. In umfangreichen Musterbüchern wurden die Produkte beworben.

Im Jahre 1898 starb Direktor Fritz Frank. Nachfolger wurde sein Schwiegersohn Hermann Schröder, der Ehemann seiner ältesten Tochter Amalie. Da er bisher in einem Unternehmen der Farbenindustrie tätig war, unterstützten ihn die leitenden Angestellten Betriebsingenieur Pauly und die Prokuristen Martin und deren Vorgänger Keller und Schmidt.

Überlegungen über Schaffung neuer Erwerbsquellen wurden erörtert. Hierzu gehörten Einnahmen aus der Abgabe von elektrischem Strom. Wurde bisher mit Hilfe von Wasserkraftturbinen lediglich Strom für den eigenen Bedarf zum Antrieb der Maschinen und für das Emaillierwerk erzeugt, so errichtete man 1899 nach Veränderung der Wasserkanäle zwei große Turbinen und ein neues Elektrizitätskraftwerk. Den überschüssigen Strom nahm ein Frankfurter Unternehmer ab, der damit die Orte Fachbach, Nievern und Miellen mit Elektrizität versorgte.

Im Jahre 1903 erfolgte eine weitere unternehmenspolitische Änderung. Die Familie Frank wandelte die Aktiengesellschaft in eine GmbH um und firmierte fortan unter „Frank’sche Eisenwerke Nieverner Hütte G.m.b.H.“ In den „Leitsätzen für eine engere Zusammenarbeit“ wurde u.a. festgelegt, dass sich die Nieverner Hütte auf die Herstellung des üblichen Sortiments an Porteriewaren, Gussprodukte für den Haus- und Hofbedarf, Bremsklötze für die Eisenbahn und Maschinenguss konzentrieren soll. Es wurden eine Reihe von kostensparenden Marketinginstrumenten koordiniert und ein innerbetriebliches Verrechnungssystem eingeführt, denn die allgemeinen Strukturveränderungen in der Eisenindustrie im Lahn-Dill-Revier und der daraus resultierende schärfere Wettbewerb gleichartiger Unternehmen machten auch den Frank’schen Unternehmungen zu schaffen.

 

In dieser Konsolidierungsphase geriet die Hütte durch zwei Ereignisse in Schwierigkeiten: 1. Ein außergewöhnliches Hochwasser im Februar 1909 setzte die Insel unter Wasser und verursachte erhebliche Schäden, die erst nach Monaten vollständig behoben waren. 2. Die Entröstungsanlage führte zu einer starken Luftverpestung, die bis zum nahen Bad Ems reichte. Der Magistrat der Stadt wurde im Interesse eines unbehinderten Kurbetriebes 1910 aktiv und verlangte die Beseitigung der Belästigungen. Es ist nicht überliefert, welche Maßnahmen dazu ergriffen wurden. Da es aber später keine Beschwerden mehr gab, ist davon auszugehen, dass man eine technische Lösung gefunden hat, die mit Sicherheit eine Menge Kapital bindete.

Auf Grund der Verschärfung des Wettbewerbs wurde 1916 eine weitere innerbetriebliche Umstrukturierung vorgenommen. Diese als „Interessengemeinschaft“ bezeichneten Maßnahmen beider Werke in Nievern und Dillenburg führten zu einer Verlagerung der gesamten Verwaltung, des Vertriebs und des Rechnungswesens auf die Adolfshütte. Nur der Verkauf des selbst erzeugten Bau- und Maschinengusses verblieb bei der Nieverner Hütte.

Die Geschäftsleitung lag fortan bei Julius Frank (1865-1940).

Der Erste Weltkrieg wirkte sich personell aus und man beteiligte sich, wie alle Hütten, an der Kriegsproduktion. Geschäftsführer Hermann Schröder war bereits mit Beginn des Krieges zu Kriegsdienst einberufen worden. Georg Frank wurde zum Betriebsleiter bestimmt und die Herren Martin und Biullaudelle erhielten Prokura. Die Facharbeiter in der Formerei und im Emaillierwerk wurden notdürftig durch angelernte Frauen ersetzt. Dazu kamen Kriegsgefangene aus Russland, Frankreich und Belgien. Neben der Umgestaltung der Porteriewaren in Feldkochgeschirre und der Öfen in Schützengrabenöfen wurden vor allem 15 cm Granaten und Geschossböden gegossen.

Weihnachten 1918 französischen Truppen nach dem verlorenen Krieg die Nieverner Hütte. Die Montagehallen requirierten sie für die Unterstellung der Fahrzeuge und Lagerung von Rüstungsgut. In anderen Gebäuden der Hütte wurden ca. 150 französische Soldaten und in der Direktionsvilla die Offiziere einquartiert, die aber bereits 1919 wieder abgezogen.

 

Neue Arbeitsverhältnisse nach dem Ersten Weltkrieg

 

Mit der Abschaffung und dem Ausruf der Demokratie ergaben sich völlig neue und ungewohnte Arbeitsbedingungen. Das i.d.R. immer sehr gute Verhältnis zwischen Unternehmer und Arbeitern war plötzlich durch den Einfluss von radikalen Gruppen gefährdet und häufig sogar zerstört. Als die von marxistischen Gruppen aufgehetzten Arbeiter gar die Geschäftsführer und deren Familien angriffen, räumte die französische Feldgendarmerie das Werk von den gewalttätigen Arbeitern, die sich fortan nicht mehr um eine Stelle auf „ihrer“ Hütte bemühen brauchten.

Der Allgemeine Metallarbeiterverband und der Christliche Arbeiterverband vertraten ab 1920 die Interessen der Arbeiter, vor allem in sozialen Angelegenheiten.

Bald konnte die Produktion wieder aufgenommen werden, und Anfang der 20er Jahre war die Mitarbeiterzahl schon wieder auf ca. 200 Mann gestiegen.

Als Folge der Kriegszerstörungen entwickelte sich durch den Nachholbedarf bald ein konjunktureller Aufschwung, besonders bei Handelsware und Porteriebedarf. Roheisen bezog die Hütte von Buderus aus Wetzlar und von der Concordiahütte aus Engers bei Neuwied. Der Hauptabnehmer für Großmaschinenteile in Guss war die Maschinenfabrik Winkler & Dünnebier in Neuwied und eine Schokoladenfabrik. Die Produktion von Gussteilen für diese beiden Firmen bildete das Rückgrad des wirtschaftlichen Erfolges der Hütte. Die Herstellung von Öfen, Herde, Porterieguss und private Kleinaufträge lief Ende der 20er Jahre aus, weil sie auf Grund des hohen Angebots anderer Hütten unrentabel geworden war. Wirkliche Innovationen oder die Entwicklung von innovativen Produktlinien fanden in diesem Produktsegment nicht statt. Die Entwicklung eines Dampftopfes wurde wieder aufgegeben.

Im Jahre 1927 endete der Aufschwung. Die kommende Weltwirtschaftskrise warf ihre Schatten voraus. Der Versuch, Handelsware und Haushaltswaren aus dem neu entwickelten Aluminium herzustellen, brachte, zusammen mit den Auslandsaufträgen aus Siebenbürgen, noch einmal einen gewissen Aufschwung. Aber die mit dem „Schwarzen Freitag“ einsetzende Weltwirtschaftskrise führte zur Aufgabe des Hauptkunden der Hütte, der Maschinenfabrik Hahn in Niederlahnstein. Das verkraftete die Nieverner Hütte nicht, zumal die Nachfrage auch nach anderen Produkten gravierend einbrach. Am 9. Januar 1932 schlossen sicht die Betriebstore für immer.

Schon kurze Zeit darauf verfiel die Hütte. Teilweise wurden intakte Gebäude als Lager benutzt.

 

Derzeitiger Bestand

 

Nach dem Krieg entstand auf dem Hüttengelände eine Industrieansiedlung sowie eine Kanuklub mit Kanuverleih und einige kleinere gewerbetreibende Betriebe.

Der alte Hauptteil der ehemaligen Hütte mit dem viereckigen Schornstein ist teilweise, in dem er gewerblich genutzt wird, gut erhalten und gepflegt. Schon wenige Meter daneben zerfällt die Bausubstanz. Hier macht das Hüttengelände einen verwahrlosenden Eindruck. Dennoch prägen einige markante Gebäude aus dem 19.  Jh. und früher den historischen Gesamteindruck.