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Carl Kellner.
Friedrich_Belthle
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Ernst leitz
leitzwerk1890
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Mit den Namen Carl Kellner, Friedrich Bethle und Ernst Leitz und Moritz Hensoldt begann in der Mitte des 19. Jh. die mittelhessische Stadt Wetzlar zu einem Zentrum der Deutschen Optikindustrie zu werden. Obwohl die Entwicklung leistungsfähiger Mikroskope im Vordergrund stand, machte die Erfindung der LEICA als erste Kleinbildkamera Wetzlar weltweit bekannt. Die Leitzwerke haben auch heute noch eine bedeutende Rolle, obwohl sich die Produktion durch internationale Verpflechtungen sehr verändert hat. Die Ansiedelung in futuristischen Gebäuden auf dem ehemaligen Kasernengelände macht diesen Umschwung deutlich.

Die Geschichte der Optischen Werke von Ernst Leitz in Wetzlar ist mit mehreren Namen verbunden: Carl Kellner, Moritz Hensoldt, Friedrich Belthle, Ernst Leitz sen., Ernst Leitz jun. und Oskar Barnack (Erfinder der Leica Kamera). Die Gründung der Leitz-Werke ist mit vielen Mythen und Ungereimt-heiten verbunden.

 

Carl Kellner und Moritz Hensoldt hatten jeweils für einige Monate ihre Ausbildung in den Werkstätten von A.& G.Repsold in Hamburg gemach und sich bei einem späteren Besuch Kellners dort kennengelernt. Carl Kellner, ein junger Physiker mit großem Optimismus und Tatendrang war von hoher Auffasssungsgabe, vor allem auch in mathematischen Dingen; Moritz Hensoldt, war als 6 Jahre älterer Optiker und Feinmechaniker etwas gereifter und vorsichtiger. Er war in der Lage, für damalige Verhältnisse hochpräziese Messgeräte und Fernrohre herzustellen. Kellner drängte schon früh darauf, ein gemeinsames Unternehmen zu gründen. Kellner wusste aber auch, dass er auf Hensoldts Fähigkeiten in Optik und Feinmechanik angewiesen war. Nachdem etliche bevorzugste Standorte ausgeschieden waren, gründete man 1848 in Sonneberg/Thüringen ein optisches Unternehmen, das nicht erfolgreich war. Auf Drängend Kellners einigte man sich aber 1849 darauf, in der mittelhessische Kleinstadt Wetzlar ein gemeinsames Unternehmen als Optische Institut zu gründen, denn Kellners Vater war zunächst an seinem Geburtstort Hirzenhain, später auf der Oberndorfer Hütte in Braunfels, nahe Wetzlar, Hüttenverwalter und die Familie dadurch finanziell gut versorgt. Der Vertrag sah vor, dass im Innenverhältnis beide gleichberechtigte Partner waren, Kellner aber die Firma nach Außen hin vertrat. Hensoldt befürchtete ein weiteres Scheitern und hielt sich dadurch die Tür offen, jederzeit die Firma zu verlassen.

Als dieses schon kurze Zeit später zu befürchten war, trennte sich Hensoldt von Kellner und gründete in Sonneberg ein eigenes Unternehmen, vor allem für die Herstellung v.a. geodätischer Instrumente, die vom Militär und Eisenbahngesellschaften geordert wurden.

Die Werkstatt, in der Kellner nun alleine arbeite, lief schlecht und wurde zeitweise von seinem Onkel Johann Hinckel als Inhaber übernommen.

Kellner war als Physiker und mathematischer Autodidakt schon durch verschiedene Schriften über die mathematischen Berechnungen in der Optik und, speziell durch die Entwicklung seines ortho-skopischen Okulars, einer neuen achromatischen Linsenkombination für Teleskope, in der Fachwelt bekannt. Dieses Okular, das das Kernstück eines Fernrohres oder Mikroskops, konnte ein perspektivisch richtiges Bild ohne die bei den Fernrohren und Mikroskopen der Zeit üblichen Verzerrungen erzeugen. Sein Okular übertraf damit alle bisherigen an gleichmäßiger Schärfe und ohne nennenswerte farbliche Abweichungen bis zum Rand der Linsen hin. Es hatte eine größere Verstärkung und ein größeres Blickfeld als übliche Spitzenokulare und revolutionierte damit die Leistungsfähigkeit von Fernrohren. Es entstand jedoch nicht durch mathematische Berechnungen, (wie er Gauß gegenüber eingestand) zu der Kellner garnicht imstande gewesen wäre, sondern durch probieren, aber er hatte ein Gespür dafür, worauf es ankommt. Für Mikroskope war es zunächst weniger geeignet. Empfehlungsschreiben des Mathematikers Carl Friedrich Gauß aus Göttingen und Preise beim Naturforscher und Ärztetag 1852 in Wiesbaden wirkten sich positiv auf sein Geschäft aus, die ab 1850 langsam anliefen.

 

In Wetzlar bezog Kellner eine Wohnung in einem Pfarrhaus, in dem er auch die Werkstatt unterbrachte. Hier begann er sich stärker auf die Entwicklung hochwertiger Mikroskope zu konzentrieren, die von Ärzten und Wissenschaftlern immer stärker nachgefragt wurden während Fernrohre nur von wenigen Astronomen bestellt wurden.

1849 und 1851 bestellte ein Apotheker aus Bremen die ersten beiden Okulare. Ein Okular, das er am 9. Mai 1851 an einen Käufer in Genf lieferte, erscheint als Nummer eins in seinem Geschäftsbuch.

In den folgenden Jahren entwickelte Kellner ein großes Sortiment von Okularen mit unterschiedlichen Öffnungsweiten (Aperturen) und Brennweiten. Die Okulare bestanden, um die jeweiligen unvermeidlichen Fehler des Glases zu vermeiden, aus mehreren verkitteten Linsen, die zuvor in einer speziellen Apparatur geschliffen und poliert worden waren. Je nach Größe der Okulare bot er unterschiedliche Stative dafür an. 1852 verließen 28 Mikroskope die Werkstatt, 1853 waren es 39, 1954 40 Mikroskope und 1855 werden 39 Mikroskope verzeichnet. Das kleinste kostete 50 Taler, das mittlere bot er für 75 Taler an und das größte Mikroskop mit der aufwendigsten Stativmechanik 120 Taler.

Kellner fand aus dem Kreis der Gießener, später auch anderer Universitäten große Unterstützung. Ärzte, Biologen, Mineralogen und auch der Chemiker Justus von Liebig in München, der in einst in Gießen lehrte, bestellten seine Mikroskope und sorgten durch „Mundpropaganda“ für Aufträge aus aller Welt.

Um die Probleme mangelhafter Stativtechnik zu überwinden, holte Kellner seinen ihm immer noch verbundenen Freund Moritz Hensondt wieder zu sich, der fäschlicherweise oft als "Gehilfe" angegeben wird. Ohne ihn hätte er die Probleme kaum überwunden. 

Zeitweilig hatte Kellner 12 Gehilfen, darunter den Mechaniker Friedrich Belthle.

Bis 1854 hatte er 131 Mikroskope verkauft. Die Bestellungen wuchsen ständig, da erkrankte Carl Kellner 1854 an TBC. Im Mai 1855 starb er. Sein Neffe Engelbert führte zunächst das Unternehmen weiter bis sein ehemaliger Mechaniker Friedrich Belthle, der Kellners Frau 1856 geheiratet hatte, den Betrieb übernahm.

Belthle war zwar kein genialer Optiker, verstand es aber das Unternehmen in Kellners Sinn weiterzuführen und sogar noch auszubauen. Ihm kam eine Stellungnahme von Professoren aus Gießen und anderen Universitäten zur Hilfe, die darauf hinwiesen, dass nach dem Tode Kellners die produzierten Mikroskope auch weiterhin die besten ihrer Art sind. Der Anatom und Physiologe Bischoff war quasi der Schutzherr des optischen Institutes. Er arbei-tete oft in seinen Ferien im Unternehmen um Ratschläge für Verbesserungen der Mikroskope zu geben.

Belthle arbeitete teilweise nur mit drei festen Mitarbeitern, da er viele Arbeiten in Heimarbeit vergab. Die Gehilfen erhielten einen Wochenlohn zwischen 4 Talern und 3 Silbergroschen und 1 Taler, 26 Silbergroschen. Jährlich wurden etwa 70 Mikroskope verkauft, 1866 sogar 160 Stück.

Da die Umsätze im Laufe der Zeit sanken und keine nennenswerten Investitionen getätigt wurden, schloss Belthle mit dem in das Geschäft einge-tretenen Ernst Leitz 1865 einen Gesellschaftsvertrag. 1869 starb Belthle mit 41 Jahren.

Ernst Leitz war im badischen bei Ferdinand Oechsle, dem Erfinder der „Oechsle Mostwaage“, in die Lehre gegangen. Oechsle war ein Universalerfinder und betrieb eine Werkstatt zur Herstellung von physikalischen und chemischen Instrumenten, Apparaturen und Maschinen. Die Ausbildung war vielseitig, aber Leitz erkannte, dass man nur auf die Konzentration einer kleinen Produktpalette erfolgreich seien könne. Nach seiner Lehrzeit trat er als Gehilfe bei dem Schweizer Fabrikanten für elektrische Uhren Mathäus Hipp in dessen großzügige Fabrik in Neuchâtel ein. Dort erlernte der die Grundzüge der Serienherstellung feinmechanischer Erzeugnisse. Hipp war ein Meister seines Faches, der neben elektrischen Uhren auch Telegrafen und andere elektrische Apparate herstellte. Leitz lernte einen ehemaligen Lehrling von Belthle kennen und trat daraufhin 1864 in die immer mehr schwächelnde kleine Firma in Wetzlar ein.

Nach dem Tode von Belthle im Jahre 1869 übernahm Leitz die Werkstatt und zahlte Bethels Schulden ab. Das Unternehmen nahm durch zwei Ereignisse einen unerwarteten Aufschwung: Nach dem deutsch-französischen Krieg wurde der schärfste Konkurrent aus Paris, die Firma Oberhäuser (Hartnack) als Deutsche aus Frankreich vertrieben und konnte seine alte Stellung nicht wiederaufbauen. Das andere war seine Ehefrau Anna Löhr, die ihm mehr als eine Frau war und zu seinem geschäftlichen Erfolg entscheidend beitrug. Sie leitete später die Buchhaltung.

Leitz setzte seine in der Schweiz gemachten Erfahrungen der Serienproduktion um, indem er beim Bau von Mikroskopen Maschinen einsetzte und Arbeitsteilung einführte. So konnte er Aufträge schon in kürzester Zeit erfüllen. Darüber hinaus knüpfte er Kontakte zu Männern der Wissenschaft und Praxis und setzte deren Wünsche in seinen Konstruktionen um. Um ein Mangel des Stativs auszu-gleichen übernahm er den typischen Hufeisenfuß der Stative von führenden Mitbewerbern.

Als Robert Koch zu Beginn der 80er Jahre die Bedeutung der Bakterien bei der Entstehung von Krankheiten entdeckte, erlebte die Mikroskopie einen rasanten Aufschwung. Robert Koch bekam 1907 das 100.000. Mikroskop.

Eine weitere Nachfrage nach Mikroskopen kam aus der Mineralogie, nachdem der organische Ursprung mancher Gesteine erkannt worden war und sich eine mikrophotographische Gesteinskunde entwickelte. Hier schuf Leitz spezielle Mikroskope und gab 1893 einen eigenen mineralogischen Katalog heraus.

1870 verlegte Leitz die Werkstatt in neue Räumlichkeiten. Er beschäftigte damals 7 Optiker, 10 Mechaniker, 1 Schreiner und 2 Lehrlinge. Inzwischen verließen jährlich mehrere Hundert Mikroskope das Werk. Schon 5 Jahre später wurde auf Anregung seines Sohnes Ernst Leitz jr. ein Neubau unter-halb der Altstadt errichtet, das bald immer mehr Anbauten erhielt. Die Zahl der verkauften Instrumente stieg ständig. 1899 konnte das 50.000. Mikroskop fertiggestellt werden. Mit der Größe des Gebäudekomplexes beka-men die einzelnen Abteilungen eigene Leiter.

Seit 1883 wurde mit Hilfe einer Dampfmaschine elektrischer Strom erzeugt, der zum Antrieb vieler Maschinen und zur Beleuchtung genutzt wurde.

Inzwischen waren durch Ernst Abbe, Inhaber des Optikunternehmens Carl Zeiß in Jena, dem Physiker Hermann von Helmholtz und den Glasproduzenten Schott in Jena, der neue Spezialgläser entwickelt hatte, bedeutende Fortschritte in der Berechnung und Herstellung von Linsensystemen möglich geworden, die geradezu zu einer Explosion in der Anwendung, der Nachfrage und dadurch in der Produktion von Mikroskopen zur Folge hatten. Die Apochromate von Ernst Abbe, die Zeiß 1886 herausbrachte verwendeten ein Fluoritglas mit niedrigem Brechungsindex, womit ein besonders sauberes Farbspektrum erreicht wird.

Um den Innovationsvorsprung der Konkurrenz aus Jena auszugleichen, holte Leitz den Mathematiker Carl Metz in sein Werk, dem eine Fülle von Verbesserungen, aber auch dem Bau neuer optischer Geräte für verschiedene Anwendungen zu verdanken sind. Der zweite Sohn von Ernst Leitz, Ludwig Leitz, machte durch seine Sprachkenntnisse die Leitz-Mikroskope im Ausland bekannt. Seiner Aktivität fiele zahlreiche Gründungen von Zweigwerken in Europa, Russland und den Vereinigten Staaten. Er starb unerwartet 1898 nach einem Sturz vom Pferd. Nach seinem Tode übernahm sein Sohn Ernst Leitz nach um nach dessen Tätigkeiten.

Ernst Leitz Vater hatte eine besondere soziale Einstellung gegenüber den Mitarbeitern. Er sorgte für angemessene Löhne und förderte durch Kreditvergabe den Bau von Eigenheimen für die Mitarbeiter. 1899 initiierte er anlässlich der Vollendung des 50.000. Mikroskops eine Invaliden-, Witwen- und Waisenrente. Der technische Direktor August Bauer kümmerte sich um die gesamten sozialen Belange der Mitarbeiter und initiierte den Bau einer Leitz-Siedlung in der Frankenstraße.

Sowohl bei der Konstruktion als auch bei der personellen Organisation des Betriebes erwies Ernst Leitz ein großes Geschick. Wegen seiner Verdienste erhielt er die Doktorwürde der Universitäten Gießen und Marburg und wurde zum Ehrensenator der Hochschulen Gießen, Marburg, Karlsruhe und Darmstadt. 1918 wurde er Ehrenbürger der Stadt Wetzlar. Ernst Leitz starb im Sommer 1920 in Solothurn unweit von Neuchâtel, wo er einst die Feinmechanik erlernte.

1920 übernahm Ernst Leitz jr. die alleinige Leitung des Werkes. Er ließ bereits 1907 die vielen kleinen Produktionsstätten in einem großen, 5-stöckigem Betonbau zusammenfassen. 1924 erfolgte trotz der wirtschaftlich schweren Zeit der erste Anbau für den neuen Fertigungszweig der LEICA. Die von Barnack entwickelte Kleinbildkamera war unerwartet so erfolgreich geworden, dass sich Leitz entschloss, eine Großserienproduktion aufzunehmen. Die ersten 500 der „Ur-Leica“ wurden noch im selben Jahr ausgeliefert. Die Kamera enthielt einen belichtbaren Filmstreifen, wobei jedes Bild die Größe 24 x 36 mm hatte. Dieses Format wurde zum Vorbild aller später von allen Herstellern produzierten „Kleinbildkameras“. Bis 1935 hatte Barnack die Kamera mit vielen von Prof. Berek berechneten Objektiven zu einem Instrument entwickelt, das, nachdem die Filmhersteller die Empfindlichkeit und Feinkörnigkeit des Filmmaterials ständig verbessert hatten, in allen privaten und professionellen Bereichen weltweit eingesetzt wurde. Sie wurde bald zum Kultobjekt. Vergoldete Exemplare erhielten hochrangige Staatsgäste Deutschlands, darunter Queen Elisabeth von England in den 1950er Jahren. Passend zum Erfolg der Kleinbildfotografie wurde 1926 der erste Diaprojektor für das Kleinbildformat entwickelt. In dem 1917 übernommenen optischen Institut W.u.H. Seibert wurde der erste ruckelfreie Kinoprojektor entwickelt. Die Temperatur der Räume wurde durch Klimaanlagen geregelt und staubfrei gehalten. 1935-39 entstanden für die Produktion Leica zwei Hoch-häuser und das große „Magazingebäude“, in dem auch Konstruktionsabteilungen untergebracht waren.

Im ersten Viertel des 19. Jh. wurden vor allem auch in der Stativtechnik große Fortschritte erzielt. Die Feineinstellung, der drehbare Objekttische, das Binokular, das Polarisationsmikroskop von Dr. Max Berek, spezielle Mineralmikroskope, Erhitzungsmikroskope, mit denen Objekte bis 1400° C beobachtet werden können und andere Verbesserungen führten Leitz wieder zu dem Spitzenunter-nehmen der Mikroskoptechnologie.

In der Folgezeit wurden durch Verbesserung der Glasarten, Filterverfahren und andere praxisorientierte Anregungen die Mikroskope ständig verbessert.

Mit dem Beginn der Nationalsozialisten 1933 und beginnender Judenverfolgung half Ernst Leitz II. mit seiner Calvinistisch-protestan-tisch geprägten Einstellung vielen Juden zur Flucht oder in anderer Weise. Seine Hilfe auch gegenüber den zugeteilten ukrainischen Arbeitern ging so weit, dass die NSDAP schließlich die volle Kontrolle über das Werk übernahm, dass kriegswichtige optische Geräte in einem ehemaligem Bergwerkstollen produzieren musste. Ernst Leitz und seine Familie waren nach den erhofften „Endsieg“ zur Liquidation vorgesehen, zu der es auf Grund des Verlaufes der Geschichte zum Glück nicht kam.

Die Nachkriegszeit war von vielen Schwierigkeiten geprägt, zu denen finanzielle den Anschluss an die Weltmarktstellung gehörten.

Die Ernst Leitz Wetzlar GmbH schloss 1972 einen Kooperationsvertrag zur Entwicklung und dem Bau von Mikroskopen mit dem führenden Schweizer Optikunternehmen Wild bei St. Gallen. Wild übernahm ca. ein Viertel der Geschäftsanteile der Familie Leitz. Zusammen gründeten sie 1989 die Wild Leitz AG. Nach Fusion mit der Cambridge Instrument entstand 1990 die LEICA Gruppe. 1990 wurde die Sparte Industrielle Messtechnik (IMT) als Leitz Messtechnik GmbH ausgegliedert und dem neuen Eigentümer Brown & Sharpe übertragen. Ab 2003 gehörte diese Sparte der schwedischen HEXAGON Gruppe, einem multinationalem technologie-Konzern für Messtechnik und Geoanalytik, der 2017 mit ca. 18.000 Mitarbeitern einen Umsatz von etwa 3,5 Mrd. EUR erzielte.

Nach mehreren Fusionen wurde 1996/97 die Leica Gruppe aufgelöst und ging als Leica Camera AG mit Sitz in Solms bei Wetzlar an die Börse. Gleichzeitig übernahm Leica die MINOX GmbH aus dem nahen Heuchelheim, dass durch seine kleine „Spionagekamera“ einen weltweiten Ruf hatte. Das verbleibende Unternehmen, das aus der IMT hervorging, wurde 1997 in die Leica Geosystems mit Sitz in Balgach/Schweiz und die Leica Microsystems, die die ehemalige Mikroskop Sparte war, aufgespaltet. Diese ist auch Inhaber der Leica-Marke.

Ab 2005 wechselten häufig die Eigentumsverhältnisse, Leica hatte mit Minolta und Fuji, später mit Panasonic Kooperationsverträge geschlossen und ließ viel in Japan produzieren.

Nach weiteren Inhaberwechseln übernahm schließlich Dr. Andreas Kaufmann, ein österreichischer Unternehmer, der in Deutsch-land Politikwissenschaften studiert hatte, die Anteilsmehrheit. Er stockte das Kapital großzügig auf, um die verschlafene Digitalisie-rung jetzt auch bei Leica einzuführen, so dass 2010 wieder Gewinne erzielt wurden.

2014 errichtete er auf dem Gelände der Spielburg-Kaserne eine hochmoderne Fabrikanlage. Der Leica-Park lockt jährlich viele Besucher an. 2016 stieg Leica in ein Forschungsprojet mit dem Chinesischen Hersteller Huawei ein und entwickelte die Kamers für die Handys Huawei P9 und P10 und 2018 die drei Kameras des Huawei P20.

Laut der WNZ vom 8. Juni 2019 hat das Unternehmen einen Stellenabbau bis zu 100 der ca. 750 Arbeitsplätzen am Hauptsitz in Wetzlar angekündigt, obwohl Leica das vergangene Jahr mit einem Gewinn von 40 Mio. Euro abschloss. Auch die neu aufgenom-mene Uhrenproduktion entwickelt sich gut.

Die Hintergründe sind wohl einmal die Umstrukturierung in Richtung Digitalisierung – vom Mechanik- und Optikunternehmen hin zum Software- und App-Entwickler. Die gleichzeitige Stellenausschreibungen für IT-Fachkräfte unterstützen diese Vermutung.

Zum anderen ist die strategische Allianz mit Huawei in Gefahr, nach dem Google durch die US-Regierung gezwungen wurde, die Android – Lizenz für Huawei zu kündigen.

Drittens ist es bisher nicht gelungen, einen Käufer für den 45%igen Anteil des US-Investmentunternehmen Blackstone zu finden, den Blackstone verkaufen möchte. Mehrheitseigner und Aufsichtsratsvorsitzender ist der Österreicher Andreas Kaufmann, dem auch die Leitz-Park GmbH gehört. Blackston sind die Mieten zu teuer, die die Leica Camera AG der Leitz-Park GmbH als Eigentümerin der Gebäude zahlen muss.

Mehrheitseigner Andreas Kaufmann denkt auch an eine Rückkehr an die Börse nach.