Firma 1
press to zoom
Dachziegel
press to zoom
Werk 1
press to zoom
Werk 2
press to zoom
Werk 3a
press to zoom
Karl H. Wendel
press to zoom
1/1

Unmittelbar mit der Eisen- und Stahlindustrie verbunden entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf den meisten Eisenhütten Emaillierwerke. Gegenstände für Haus und Hof, vor allem, wo es auf Hygiene ankam, wurden emailliert. Beim Emaillieren verbindet sich das Email fest mit dem Metall. Wendel erkannte die gesundheitlichen Gefahren des frühen Emaillierens und entwickelte daraus einen eigenen Industriezweig, der aus dem heutigen Leben mit seinen vielfältigen Verfahren und Anwendungsmöglichkeiten nicht mehr wegzudenken ist.

Wendel Email

In der Industrialisierungsphase des späten 19. Jahrhunderts gingen die meisten Eisenhütten des Lahn-Dill-Reviers zum Ofen- und Herdbau über. Sie belieferten mit ihren Produkten zeitweise 2/3 des deutschen und europäischen Marktes. Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden Emaillierwerkstätten, denn Öfen, Herde und andere Artikel sollten sich nun farblich der häuslichen Einrichtung anpassen lassen. (Hier hatten die Frank’schen Eisenwerke einen namhaften Unterstützer, denn kurz zuvor hatte die junge Ilse (später Ise) Frank den berühmten älteren Bauhausarchitekten Walter Gropius geheiratet, der moderne Öfen für Frank entwickelte).

Emaillierte Gegenstände galten als hygienischer und hatten weitere Vorteile gegenüber nicht emaillierter Ware, was die Nachfrage solcher Artikel für den Sanitärbereich, für die Küche und Stall belebte. Der Anwendungsbereich des Emails explodierte förmlich.

Auch auf der Adolfshütte in Dillenburg hatten die Frank’schen Eisenwerke emaillierte Öfen (Majolika-Email) für ihre ORANIER Öfen und andere Gegenstände im Programm. Hier war Karl Heinrich Wendel (1878-1955), der nebenberuflich als Heilpraktiker arbeitete, als Emaillierwerksmeister tätig. Ihm fiel auf, dass die Emaillierarbeiter häufig die unterschiedlichsten, teils ernsthaften, Beschwerden hatten. Er fand heraus, dass diese von dem Blei in dem Emailpulver herrührten. Blei führt zu Vergiftungen.

Wendel entwickelte daraufhin 1932 das weltweit erste bleifreie Majolika-Email. Er gab seine Stellung auf der Adolfshütte auf und gründete sein eigenes Unternehmen am Güterbahnhof in Dillenburg, das sich nunmehr auf die Entwicklung von Emails und Glasuren (Keramikfritten und Engoben und ähnlichen und verwandten Produkte) spezialisierte. In eigenen Labors ließ er innovative Emaillierverfahren und Rezepturen entwickeln.

1937 trat Karl Reinhardt Wendel (1901-1973) in das Unternehmen als Prokurist ein. Er wurde bei Eintritt des Krieges zum Kriegsdienst eingezogen und blieb, wie viele seiner Kammeraden, bis lange nach Ende des Krieges in russischer Kriegsgefangenschaft.

1955, im Todesjahr des Firmengründers, übernahm Rudi August Wendel (1911-2006) die Unternehmensleitung.

Rudi August Wendel hat das Unternehmen nach dem Krieg maßgeblich weiterentwickelt. Hierzu gehörte die Entwicklung des Titangussemails im Jahre 1963. Im Gegensatz zu vorangegangenen Emails steigern Titangussemails die Widerstandskraft der emaillierten Gegenstände (z.B. Badezimmerartikel) gegen Korrosion und Chemikalien. Auch ist das Reinigen der Oberfläche mit sanften Reinigungsmitteln ohne großen Kraftaufwand möglich. Die Oberfläche bleibt glatt und das Ausbleichen der Farbe wird verhindert. Der Anwendungsbereich in der Technik und im Konsumerbereich ist nahezu unerschöpflich, was zu der Expansion von Wendel führte. In Barcelona gründete Wendel die „Wendel Email Hispania SA“.

Die dritte Generation beginnt mit Dipl.-Ing. Klaus Horst Wendel (1935-2007), und Jochem Wendel (*1939), die von 1990 bis 2001 die Geschäfte führten.

In ihrer Zeit entwickelte das Unternehmen Stahl-Emails als perfekte Verbindung von Stahl und Glas. Unter hohen Temperaturen wird aus beiden eine untrennbare Einheit, die beider Eigenschaften kombiniert. Stahl ist sehr hart, robust, belastbar und lässt sich im erhitzten Zustand vielfältig formen. Glas hat eine schöne Optik und ist resistent gegenüber chemischen oder thermischen Einwirkungen. Diese, sowie andere positive Eigenschaften, machen z.B. Badewannen und Duschwannen aus Stahl-Email besonders attraktiv. Aber gerade auch im technischen Bereich ergeben sich vielfältige Anwendungsmöglichkeiten. Das Unternehmen expandierte zu einem führenden Email-Produzenten.

Klaus Horst Wendel gründete mit der „Wendel France Emacéram Sarl“ eine Niederlassung in Frankreich.

In der 4. Generation leitet Dipl.-Kaufmann Klaus-Achim Wendel (*1961) seit 1994 das Unternehmen und der Chemiker Dr. Jörg Christoph Wendel ist seit 1997 Entwicklungsleiter und Prokurist. Er beschäftigt sich besonders auch mit Umweltfragen im Zusammenhang mit Emaillieren. Klaus-Achim Wendel ist langjähriger Vorsitzender des Deutschen Email Verbandes e.V. (DEV), dem Berufsverband in bzw. mit der Emailindustrie tätigen Unternehmen.

Klaus-Achim Wendel gründete Niederlassungen in Spanien und Italien und die „Wendel Email Logistics, SL“ in Saragossa (Spanien). Von dort aus erfolgt der gesamte technische und gewerbliche Service für die Iberische Halbinsel und Lateinamerika.

Wendel wurde 2001 mit dem Innovationspreis des Lahn-Dill Kreises ausgezeichnet und erhielt ein Jahr später den sehr angesehenen „Großen Preis des Mittelstandes“ als eines der besten mittelständigen Unternehmen Deutschlands. Wiederum ein Jahr später erhielt Wendel den Preis „Together in Hessen“ für seine vorbildliche Integration von nichtdeutschen Mitarbeitern in einem gemeinsamen Arbeitsleben. Wendel selbst fördert den naturwissenschaftlichen Nachwuchs.

Eine moderne Schmelzhalle für die Fritten wurde errichtet und zukunftsweisende digitale Techniken eingeführt.

Kalziumfreie Glasuren für Dachziegel wurden im Jahre 2000 entwickelt. Diese Glasuren verhindern Trübungserscheinungen durch Witterungseinflüsse. Mit „Wendomail“ bringt Wendel erstmalig eine Emaillierung auf den Markt, die das 2-Schicht-1-Brand Verfahren möglich macht und erreicht damit eine bemerkenswerte Weiterentwicklung des Emaillierens.

2006 wurde mit dielektrischen Emails eine bahnbrechende Innovation eingeführt, die z.B. bei Wasserkochern und Kaffeeautomaten Anwendung finden. Ab 2013 führt Wendel auch Engoben, die für die Herstellung von Dachziegeln mit farbig-matten Oberflächenangeboten Verwendung finden. Der größte Teil der Produkte geht in den Export, denn Wendel ist weltweit eines der führenden Unternehmen für Gussemails.